Schwalbenflug
Ach, was wäre diese Welt ohne die Dichter der Romantik! Ohne einen Heine, einen Novalis, einen Eichendorff, einen Tieck, um nur einige der phantasiebegabten Naturen zu nennen. Auch Ludwig Uhland zählt zu ihnen, allein die erste Strophe seines Poems «Frühlingsglaube» würde hinreichen, um glücklich-ermattet auf die Knie zu sinken: «Die linden Düfte sind erwacht, / Sie säuseln und weben Tag und Nacht, / Sie schaffen an allen Enden. / O frischer Duft, o neuer Klang! / Nun, armes Herze, sei nicht bang! / Nun muss sich alles, alles wenden.
» Franz Schubert, der wohl nach wie vor nah an Gottes Stuhl hockt, hat die Verse vertont. Und nun, wo das Lied erklingt, an diesem sonnigen Nachmittag im Ravinen Kulturhus zu Båstad, weiß man es wieder: «Die Welt wird schöner mit jedem Tag.» Das liegt nicht zuletzt aber auch an der Sängerin, die dort im schwarzen, floral geschmückten, fast bis auf den Boden reichenden Rock und zart flatternden Seidentop wie eine Fürstin auf der Bühne steht und es interpretiert, mit samtenen Tönen von ihrem langjährigen Begleiter (und vormaligen Lehrer) Matti Hirvonen auf Wolkenbänken getragen – an Matilda Sterby. Mit Bedacht wählt sie ein jedes Wort, formt es zu einem ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Porträt, Seite 68
von Jürgen Otten
Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle». Ob Johann Wolfgang von Goethe, aus dessen Feder dieser Aphorismus stammt, historisch mehr als eine Zeitgenossenschaft mit dem Kastraten Giovanni Rubinelli (vermutlich 1747–1817) vereinte, bleibt so unbekannt wie so vieles in Rubinellis Leben, bis hin zu seinem diskreten Rückzug ins Dunkel historischer...
Stimmwunder
Im Grunde seines Herzens war José Carreras immer Katalane. Seit mehr als 30 Jahren ist er zudem Mitglied des FC Barcelona, jenes Vereins, der schon gegen Franco kämpfte. Dass ihn ein ganzes Land liebt, liegt an seiner unvergleichlichen Stimme, die den Tenor weltweit an sämtliche bedeutenden Opernhäuser führte. Gemeinsam mit Luciano Pavarotti und Plácido...
Draußen, vor den Pforten der Kirche in Västra Karup, weht eine abendlich kühle Brise, drinnen, im (selbstverständlich protestantischen) Gotteshaus tobt der Sturm. Nun ist Andrea Chéniers flammende Verteidigungsrede ja schon an sich eine leidenschaftliche Angelegenheit. Aber was Luthando Qave, von Magnus Svensson am Flügel resolut, nuanciert und farbenreich...
