Pragmatismus pur

Wer in TRIER gräbt, stößt allerorten auf römische Überreste. Ein Grund, warum das 1964 eröffnete Theater immer ein Provisorium blieb. Jetzt steht zudem die Sanierung an. Doch in der Geburtsstadt von Karl Marx wird nicht gejammert, sondern tatkräftig gestaltet

Opernwelt - Logo

Gibt es womöglich Gemeinsamkeiten, die kleinere Opernhäuser und Theater in der Provinz verbinden? Diese Frage stellt sich nach etlichen «Landpartien» immer stärker. Das vorläufige Fazit lautet: ja und nein. Jede der bislang besuchten Kunststätten hat ihre Besonderheiten, die teils in ihrer Geschichte begründet sind, teils durch örtliche Gegebenheiten wie Sparten-Aufteilung, Leitungsstruktur oder Partnerschaften mit benachbarten Theatern.

Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit, die alle kleineren Häuser zu verbinden scheint und sie signifikant von den großen Musentempeln unterscheidet: Sie alle sind extrem wendig und erfindungsreich, sie begegnen Problemen mit tatkräftigem Pragmatismus. Und sie jammern deutlich seltener.

Ein Beispiel: Trier. Die Stadt an der Mosel ist ein Füllhorn an Geschichte (und Geschichten); ihre Wurzeln reichen zurück in die Römerzeit. 1986, also bereits vor 40 Jahren, wurden gleich sieben römische Bauwerke – Porta Nigra, Konstantin-Basilika, Kaiserthermen, Barbara-Thermen, Amphitheater, Römerbrücke sowie Igeler Säule – gemeinsam mit dem Dom St. Peter und der Liebfrauenkirche in die Liste der Unesco-Welterbe-Stätten aufgenommen. Doch mit der Prosperität des ...

Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2026
Rubrik: Reportage, Seite 70
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Alle Lust will Ewigkeit

Es ist nur ein einziges Wort, flüchtig hingeworfen. Aber es sagt viel über das Verhältnis von Göttern und Menschen. «Ach!», seufzt Alkmene am Ende von Kleists tragikomischem Lustspiel «Amphitryon», nachdem sie dem obersten Olympier begegnete im nächtlichen Liebeskampf und im naiven Glauben, ihr Gatte sei es gewesen, der sie da entflammte. Damit reiht sich die...

«Oper ist immer politisch»

Herr Huffman, Sie haben die freie Wahl: New York, London oder Aix. Wo würden Sie am liebsten leben?
New York mag ich immer, es ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Aber seit Langem fühle ich, dass ich auf dieser Seite des Atlantiks besser aufgehoben bin. Eine Rückkehr ist ausgeschlossen.

Das klingt nach einer klaren Entscheidung ...
Und das ist es auch....

Halten, was ins Rutschen kommt

Irgendwie ist Gran mitten in diese riesige Baustelle geraten: Die neue Stadt, das neue Haus, die neue Schule haben bessere Tage gesehen, alles ist in Schieflage geraten, und der Haussegen hängt schief. «Ist das nicht schräg?», fragt er seine Familie, aber sie scheinen nicht zu wissen, was er meint. Sein Vater hat keine Arbeit, seine Mutter ist krank, und seine...