Halten, was ins Rutschen kommt

James Reynolds: Die Mitternachtstür

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Irgendwie ist Gran mitten in diese riesige Baustelle geraten: Die neue Stadt, das neue Haus, die neue Schule haben bessere Tage gesehen, alles ist in Schieflage geraten, und der Haussegen hängt schief. «Ist das nicht schräg?», fragt er seine Familie, aber sie scheinen nicht zu wissen, was er meint. Sein Vater hat keine Arbeit, seine Mutter ist krank, und seine Schwester Maisie hat ihre eigenen Sorgen. Niemand hat einen Blick für das, was er sieht: beschädigte Häuser, schräge Mitschülerinnen und Mitschüler und Löcher im Boden.

Abstand wäre hier das Mittel der Wahl, und Gran möchte im ersten Moment genau das – weg hier.

Aber das wäre zu einfach. Gran beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Nicht allein, sondern mit Catalina, der Einzigen, die ihn in der Stadt Carousel sieht und mit ihm spricht – und die den Durchblick hat. Also, ab durch die geheimnisvolle Mitternachtstür, die eine ganz andere Welt unter der Stadt freigibt: ein Stollensystem, das die Hollows gegraben haben. Bedrohlich kriechen diese Wesen durch die Katakomben, umwehen einen wie kalte Zugluft und nähren sich von der Verzweiflung der Menschen. Und da es in Carousel viel davon gibt, sind sie unter der Stadt ...

Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

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Opernwelt November 2026
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Heili Schwarz-Schütte

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