Alle Lust will Ewigkeit

Stefan Herheim inszeniert Cavallis «La Calisto» am MusikTheater an der Wien als Spiel des totalen, ungehemmten Begehrens

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Es ist nur ein einziges Wort, flüchtig hingeworfen. Aber es sagt viel über das Verhältnis von Göttern und Menschen. «Ach!», seufzt Alkmene am Ende von Kleists tragikomischem Lustspiel «Amphitryon», nachdem sie dem obersten Olympier begegnete im nächtlichen Liebeskampf und im naiven Glauben, ihr Gatte sei es gewesen, der sie da entflammte. Damit reiht sich die Thebanerin ein in jene triste Phalanx von weiblichen Wesen, denen sich Zeus alias Jupiter in verwandelter Gestalt näherte, mit dem erklärten Willen, sie zu entehren.

Europa erblickte am Strand von Tyros einen vermeintlich zahmen Stier, Danae ließ goldenen Regen auf ihren Körper herabrieseln, Leda liebkoste einen Schwan. Alles mit dem gleichen Ergebnis. Körperlandnahme durch übelst-fiesen Freierstil.

Auch die Nymphe Calisto aus Ovids «Metamorphosen» gibt sich geschlagen – und dem Lüstling letztlich hin. Allerdings ist dessen Trick in diesem Fall perfide: Er zeigt sich Calisto in der Gestalt Dianas, jener vorgeblich keuschen Göttin, der die anmutige Calisto nicht nur als Dienerin ergeben, sondern auch in Liebe verfallen ist. Damit hat er leichtes Spiel. Und das Spiel Folgen vor allem für Calisto. Jupiters eifersüchtige Gattin ...

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Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten

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