Potenzial und Pathos

Prokofjews «Krieg und Frieden» und der erste selbstproduzierte «Rosenkavalier» in Moskau

Opernwelt - Logo

In diesem Jahr jährt sich der napoleonische Krieg in Russland zum zweihundertsten Mal. Prokofjews Oper «Krieg und Frieden» (nach Tolstois Roman), die diese Zeit feiert, ist allerdings ein Monster, kaum aufführbar. Sie beinhaltet viel Siegespathos, das heute inakzeptabel wirkt. Für einen Abend ist das Stück außerdem zu lang. Allerdings können Striche manches retten.

Mit einer solchen, fein retuschierten Fassung reüssierte jetzt das Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko.

Ein unerwartet energiegeladener Abend, geprägt durch reife Theaterkenntnis (Alexander Titel) und profundes musikalisches Engagement (Felix Korobow). Die Idee könnte simpel scheinen: Die Friedensszenen wurden in einem großen, fast leeren Bühnenraum gespielt; während der Kriegsszenen überflutete eine Menge aus Soldaten (beider Nationen), Obrigkeiten und Volk (etwa 450 Menschen) die Bühne. Die fünf Friedensepisoden waren zwischen einem Halbdutzend Kristalllüster angesiedelt, die zum Putzen auf den Boden herabgelassen worden waren. Auf dem Ball tanzte man «drüben», hinter den Kulissen; der tanzende Alexander I. zeigte sein Können dagegen in grotesker Weise für die Zuschauer. Das Wesen des Krieges wurde ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Opernmysterium

«Verkündigung» war das erste Werk, das der wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 aus allen Ämtern entlassene Walter Braunfels nach seiner Verfemung durch die Nazidiktatur komponierte. Jetzt hat Kaiserslautern die vergessene, seit ihrer Uraufführung in Köln 1948 an keinem Theater mehr gespielte Oper aus der Versenkung geholt und dabei ihre Bühnenwirksamkeit auf...

Ist die Zukunft schon wieder vorbei?

Es wäre müßig, ein weiteres Mal die Querelen um die Oper der Stadt Köln im Detail aufzurollen. Das ist in den letzten Monaten oft geschehen, auch in dieser Zeitschrift (siehe OW 12/2011). Darum hier nur eine kurze Erinnerung. 2009 ist das Kölner Opernhaus baulich marode und künstlerisch bedeutungslos. Der neue Intendant Uwe-Eric Laufenberg soll es wieder auf...

Auf dem falschen Trip

Irgendwann war da nur noch die Angst. Wenn René Voßkühler auf die Bühne musste, folgte sie ihm. Wie ein Raubtier, das jeden Moment zum Sprung ansetzen konnte. Diese Panik vor dem Überfall war das Schlimms­te. Vor einer Attacke aus dem Hinterhalt. Ein permanenter Alptraum, der ihm die Kehle abschnürte. Über jedem Auftritt stand die unausgesprochene Frage: Was ist,...