Archetypen, abstrakt
Lange Zeit gehörte Antonin Dvoráks «Rusalka» nicht gerade zu den Stützen des Repertoires. Das als zweite tschechische Nationaloper geltende Werk ist nicht leicht auf die Bühne zu bringen. Zeitgleich mit Debussys «Pelléas» entstanden, thematisiert «Rusalka» Naturmotive ungleich naiver, märchenhafter und überhöht sie zugleich ins Mystische.
Nachdem Jossi Wieler und Sergio Morabito mit ihrer verschlüsselten Salzburger Inszenierung von 2008 eine «Rusalka»-Renaissance einläuteten, pflegen aktuelle Inszenierungen zwei auseinanderstrebende Wege zu beschreiten: entweder als naiv bebilderte Märchenoper für die ganze Familie wie in Düsseldorf und kürzlich in Bonn oder aber als surreales Rätselstück, gelesen mit den Mitteln der Psychoanalyse. Wieler/Morabito legten vor, Stefan Herheim zog in Brüssel mit überbordenden Bildern nach, die in Dvorák einen Vorboten des Symbolismus entdeckten.
In Gelsenkirchen entschied sich nun Elisabeth Stöppler für einen dritten Weg: strenge Abstraktion, die sie aber leider nicht konsequent durchhielt. Annett Hunger hat einen aseptischen weißen Kasten mit glänzenden Wänden gebaut, der unschwer als Projektionsfläche zu erkennen ist. Ein Wasserkran auf der rechten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller
Wenn man von Chemnitz aus mit der Erzgebirgsbahn durch das märchenhaft-idyllische Zschopautal fährt und im bergig gelegenen Annaberg ankommt, glaubt man sich auf einer Zeitreise zu befinden. Hier oben gehen die Uhren anders als im «Tiefland», Hektik ist hier ein Fremdwort, Ort und Umgebung laden ein zur Beschaulichkeit. Das gilt auch für das Theater, das 1893...
In Linz müsste man sein: Mit sarkastischem Seufzer setzte der große Helmut Qualtinger vor Jahren diese Schlusspointe zu einer himmlischen Parodie auf zwei Knattermimen aus der ehedem großdeutschen Provinz. Doch der Satz hat seine Süffisanz längst verloren. Vor allem zu dieser Zeit, denn während anderswo Theater barbarisch amputiert oder gar geschlossen werden, baut...
Eigentlich sollte sie schon im Auto nach Mailand sitzen. Am Opernstudio der Scala warteten bereits die nächsten Schützlinge. Junge Sängerinnen und Sänger, die sich nach dem Studium und ersten Schritten in die Berufspraxis von ihr den letzten Schliff für die Karriere erhoffen. Aber auf einen Sprung schaut Mirella Freni dann doch noch in ihrer eigenen Gesangsakademie...
