Unter Feuer
Der Konflikt zwischen Trieb und Vernunft ist für die Barockoper paradigmatisch, und er wird allemal zugunsten der Vernunft entschieden. Nicht anders in Händels «Orlando». Die Geschichte vom «Rasenden Roland» – nach dem Versepos des Ariost von 1532 – stellt aber insofern eine Besonderheit dar, als sie das ungeordnet Triebhafte bis ins Extrem manifesten Wahnsinns vorantreibt. Ausgelöst wird er durch die unerwiderte Liebe zur schönen Angelica.
Orlando verfolgt sie und ihren Geliebten Medoro in mörderischer Rage – und lässt erst ab, als er, wie durch ein Wunder, wieder bei Verstand ist. Regisseur Pierre Audi zieht daraus den Schluss, dass man dem lieto fine nicht trauen sollte: Ordnung und allgemeine Zufriedenheit durch radikale Triebzensur – diese Rechnung geht schließlich in den drei vorausgehenden Akten nicht auf.
Bei Audi ist Orlando ein Feuerwehrmann – und Pyromane. So erfolgreich er im Dienst Brände löscht, so wenig gelingt es ihm im Leben, die Glut seiner Leidenschaften zu kontrollieren. Äußeres Sinnbild dieser Schwäche: Er fackelt auch mal selbst ein Häuschen ab. So weit hergeholt diese Idee auf den ersten Blick scheinen mag: Sie passt zum Stück, durch das sich die ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Ingo Dorfmüller
In diesem Jahr jährt sich der napoleonische Krieg in Russland zum zweihundertsten Mal. Prokofjews Oper «Krieg und Frieden» (nach Tolstois Roman), die diese Zeit feiert, ist allerdings ein Monster, kaum aufführbar. Sie beinhaltet viel Siegespathos, das heute inakzeptabel wirkt. Für einen Abend ist das Stück außerdem zu lang. Allerdings können Striche manches retten.
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Irgendwann war da nur noch die Angst. Wenn René Voßkühler auf die Bühne musste, folgte sie ihm. Wie ein Raubtier, das jeden Moment zum Sprung ansetzen konnte. Diese Panik vor dem Überfall war das Schlimmste. Vor einer Attacke aus dem Hinterhalt. Ein permanenter Alptraum, der ihm die Kehle abschnürte. Über jedem Auftritt stand die unausgesprochene Frage: Was ist,...
Meldungen
Auf dem Spielplan 2012/13 der Vlaamse Opera Antwerpen/Gent stehen Opern und Konzerte, die sämtlich einen Bezug zum Glauben haben – an die Wissenschaft oder an Macht ebenso wie an Gott, an eine Erlösung, an die Liebe, an Gemeinschaft oder an Utopien. So stellt Jan Fabre mit «Tragedy of a Friendship» eine neue Oper vor, die von der schwierigen Freundschaft...
