Postmoderne Geschichte
Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des historischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete. Über die Landung der «Tausend» in Marsala und ihren Feldzug auf der Insel berichtet die Geschichtsschreibung oft im Stil der Heldensagen.
Panni dagegen behandelt seinen Stoff aus der Distanz von anderthalb Jahrhunderten mit augenzwinkernder Ironie, erzählt die erhabene Geschichte sozusagen in Anführungszeichen. Spielerische Attitüde, Leichtigkeit und Verfremdung sind die Devisen seiner surrealistisch angehauchten Oper, einer Huldigung zu Garibaldis 200. Geburtstag im Jahr 2007.
Ihr liegt eine originelle Dramaturgie zu Grunde. Das Gerüst des Librettos bilden die Berichte über den Sizilien-Feldzug von Alexandre Dumas Vater, der Garibaldi als Kriegschronist begleitet hatte. Dessen unter dem Titel «Les Garibaldiens» veröffentlichte Texte entdeckte der Komponist in einer Pariser Buchhandlung. Sein Kunstgriff: Dumas wird in die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Kugelgestalt der Zeit, das Über-, Mit- und Durcheinander von (Vor-)Gestern und Morgen: Wäre das ein Konzept für die Oper der Zukunft? Christoph Cech suchte dieses Prinzip bei der Neuen Oper Wien an «Orfeo» zu realisieren. Seine Schöpfung geriert sich als Palimpsest, das Spuren von Monteverdi mit zeitgenössischen Mitteln überschreibt. Vom Cremoneser Altmeister...
Nach Donizettis Dogendrama «Marin Faliero», das vor zwei Jahren im venezianischen «Teatro Malibran» zu neuem Leben erweckt wurde, hat sich das «Teatro La Fenice» nun der ebenfalls halbvergessenen «Pia de‘ Tolomei» angenommen – eine weitere Trouvaille. Im Jahr 1836 bei Donizetti und dem neapolitanischen Routinelibrettisten Cammarano in Auftrag gegeben, sollte dieses...
Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
