Porträt des Künstlers als alter Mann
Der langen Reihe seiner Romanbiografien über Dichter und Komponisten des 19. Jahrhunderts hat Peter Härtling ein schmales Buch über Verdi hinzugefügt. Auch diesmal geht es ihm nicht um sachliche Lebensbeschreibung, sondern um deren literarische Anverwandlung, für die er sich die Bausteine aus Verdis Leben herausbricht.
Er setzt ein mit der Verunsicherung Verdis, der nach der «Aida» auf der Höhe seiner Kunst wie seines Ruhms sich mit dem Streichquartett und dem Requiem in weit von der Oper abliegende Gefilde verlor und danach auf Jahre verstummte.
Lose gereiht, in Sprüngen, skizzenhaft folgt Härtling der Lebens- und Schaffenslinie bis zu den späten «Pezzi sacri» und Verdis Tod. Er bedient sich dabei der Projektionsmöglichkeit des konjunktivischen Schreibens, vermischt wirkliche mit fiktiven Fakten, wobei die wirklichen allerdings oft verzerrt werden. Was erzählerisch legitim sein mag, stellt den Recherchen des Autors gleichwohl ein schlechtes Zeugnis aus. Noch irritierender wirkt das seltsam Ungeerdete des Textes, oft klingt er geradezu sprachlos, weil ihm Atmosphäre, Farbe, Boden, Ton fehlen – jene Zutaten also, die Härtlings Bücher über Hölderlin, Mörike, Schubert oder Schumann so ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert
Für große Inszenierungen braucht es keine großen Bühnen. Ein Mann steht hinterm Herd, schwarzes T-Shirt, Schürze. Konzentriert schneidet er am Gemüse. Schnitt für Schnitt verwandelt er gelbe Karotten in elegante Würfel, und wie er das macht, ist ein kleines Kunststück: Jede Bewegung scheint bedächtig, fast ein chirurgischer Schnitt, aber das Ergebnis ist der Beweis...
Nicht dass er unzufrieden wäre mit seiner Karriere. Aber eine Sache wurmt Mariss Jansons schon: Oper, die hätte er gern häufiger dirigiert. Vieles spielt da eine Rolle. Gewiss sein Herzinfarkt 1996 während einer «Bohème», aber auch sein Hang zum Kontrollator – der 72-Jährige fühlt sich unwohl, wenn er nicht Herr selbst der kleinsten Dinge ist. Im aufwendigsten...
So scharf, so farbensatt, so leuchtend hat man den Plafond der Garnier Oper noch nie gesehen. Das Debussy-Feld mit dem schwarzen Haar Mélisandes und dem goldgekrönten Kopf König Arkels. Den fetten, grünweiß gefiederten Feuervogel, der grinsend über dem Märchenprinzenpaar aus Strawinskys Ballett schwebt, das hier 1910 uraufgeführt wurde. Den blauen Reiter, der mit...
