Polytheismus in Tönen
Selbst Enthusiasten Neuer Musik horchen beim Namen von Reinhard Febel nicht sofort auf. Der in Metzingen geborene, bei Klaus Huber sowie am Pariser Elektronik-Studio IRCAM ausgebildete Komponist wirkte lange als Professor am Salzburger Mozarteum. Neben vielen orchestralen und vokalen Werken gab es immer wieder mal ein Musiktheater, meist an literarischen Stoffen orientiert.
Nun also «Benjamin Button». Viele kennen den Film mit Brad Pitt, einige sicher auch die Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. Der Plot ist so simpel wie verrückt.
Benjamin kommt als Greis zur Welt und durchlebt eine ständige Verjüngung, bis zum Tod im Kindbett. Reinhard Febel selbst hat für sein am Linzer Landestheater uraufgeführtes Musiktheater ein blitzgescheites, manchmal witziges, oft aber melancholisch angewehtes Libretto verfasst. Als Klammer dienen vier Kuscheltiere, die Benjamin zur Welt bringen, mit philosophischen Weisheiten und einer eigenen Farbdramaturgie aufwarten und ihn – nachdem Klein-Benji sie mit einem Spielzeuggewehr niedergemäht hat – am Ende wieder verabschieden.
Febels Stück spielt virtuos mit den Klangfarben und dem Idiom der jeweiligen Zeit – die Spanne reicht von 1860 bis zum Ende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Jörn Florian Fuchs
Un minuto … sii breve», eine Minute und keine Sekunde mehr gewährt der scharfe Sheriff seinem Liebeskontrahenten, dessen Ende längst beschlossen, das Grab tief genug geschaufelt ist. Und was macht Dick Johnson aus Sacramento, der eigentlich Ramerrez heißt und seinen Lebens -unterhalt für gewöhnlich damit verdient, andere Menschen auszurauben? Er stimmt, in der für...
Vor acht Jahren ging die erste Ausgabe des Opera Forward Festivals in Amsterdam an den Start. Die Welt war noch eine andere, damals sorgte man sich «nur» um einen Rechtsruck in der Politik und wählte für dieses Format bewusst einen Titel, der abgekürzt «OFF» lautet – Verweis auf die freie Szene, die man so ermuntern und einbeziehen wollte. Das ans Amsterdamer...
Von diesem Abend behält man vor allem den Raum in Erinnerung. Ralf Käselau hat, mit einfachsten Mitteln, aber szenisch wirkungsvoll, bei offenem Vorhang eine Art Zirkusarena auf die Bühne gebaut und sie, leicht versetzt, über den hochgefahrenen Graben bis in den Zuschauerraum vorgezogen. Das kleine Orchester sitzt abseits links an der Wand, der Dirigent steht mit...
