Verb(r)annt
Die Hoffnung stirbt nie. Selbst im Angesicht des nahenden Todes nicht. Hören kann man es in Leonoras Doppel-Arie zu Beginn des siebten Bildes von Verdis «Il trovatore».
Schwebt das Unheil im schwermütigen f-moll-Adagio «D’amor sull’ali rosee» (Auf den rosigen Flügeln der Liebe) noch wie ein Damoklesschwert über der schicksalsträchtigen Beziehung der jungen Frau zu dem titelgebenden Mann, und senkt sich dieses Schwert im a-cappella-«Miserere» der Gefangenen noch ein Stück tiefer hinab (das Es der Totenglocke lässt hier, gleichsam als Antizipation des es-moll-Schlussakkords der Oper, keine Zweifel), blinzelt plötzlich, im zweiten Teil der Arie, ein As-Dur-Licht durch die Wolkendecke und hebt sich Verdis Musik in nachgerade himmlische Höhen empor. Dort hinauf strebt auch der glühende Sopran von Guanqun Yu, und ob es Absicht ist oder nicht: Die Fragilität ihrer Existenz wird auch stimmlich evident.
In Immo Karamans Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper gerät dieses letzte Flehen einer verzweifelt Liebenden, die lieber stirbt, als sich jenem grausamen Mann auszuliefern, der ihr anscheinend vorher noch ihre Unschuld geraubt hat (Leonora trägt, wie die ebenfalls vergewaltigte ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
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