Tragödien der Grausamkeit
Vor 40 Jahren war die französische Barockoper selbst in ihrer Heimat kaum mehr als ein Gerücht. Inzwischen bietet sie dem interessierten Hörer ein fast unerschöpfliches Füllhorn dar. Wer einmal ihrem unvergleichlichen Zauber erlegen ist, wird zum Nimmersatt – nicht zuletzt, weil französische Künstlerinnen und Künstler mit ihren Ensembles die einst führenden Engländer, Holländer und Belgier, von den Deutschen und Italienern ganz zu schweigen, längst überholt haben und das Feld der Barockmusik in fast allen Repertoire -bereichen dominieren.
Auf die öffentliche wie private Förderung jenseits des Rheins kann man hierzulande nur mit Neid blicken. An vorderster Front steht dabei das Centre de musique baroque de Versailles, das auf seinem hauseigenen CD-Label gerade zwei weitere Raritäten in Ersteinspielungen herausgebracht hat – die beiden einzigen von Frauen, von Élisabeth Jacquet de La Guerre und einer gewissen Mademoiselle Duval komponierten Opern, die vor dem 19. Jahrhundert an der Pariser Académie royale de musique zur Aufführung kamen.
Élisabeth Jacquet de La Guerre (1665–1729) ist die wohl bedeutendste Komponistin des französischen Barock. Neben Kantaten, Kammermusik und ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Uwe Schweikert
Der «Lear» machte ihn 1978 schnell berühmt. Nicht nur durch die Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper: Es waren kleinere Häuser wie Düsseldorf, Nürnberg und Oldenburg, in denen diese Oper sofort fesselte. Nahezu haptisch greifbare Cluster, Akkordwände, die scharf kontrastieren zu äußerster melodischer Verdichtung, Einsamkeit, Innigkeit: Aribert Reimann schrieb...
Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich nur Minderwertiges schreiben können.» So Peter Iljitsch Tschaikowsky 1888 in einem Brief. Zwei Jahre später hatte er es sich anders überlegt und seine dritte Puschkin-Oper – nach «Eugen Onegin» und «Mazeppa» – binnen eines guten Monats aufs Papier geworfen. Ein wenig zu schnell. Neben den späten...
Am Ende kratzte man sich den Kopf. Sicher, das kann bei Uraufführungen schon mal vorkommen. Aber es ist doch eine Seltenheit, dass immer auch das Gegenteil dessen zumindest nicht ganz falsch ist, was man zugunsten einer Aufführung sagen oder als Kritik an ihr einwenden möchte. Dieser Abend war gute drei Stunden lang lähmend und erfrischend, locker und verkrampft,...
