Politkriminal-Liebelei
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und Orchestermusik konzentriert, gelegentlich mit Elektronik beschäftigt.
Für sein erstes Musiktheaterstück wählte er aber keineswegs das Kammerspiel, sondern die große Oper, mit groß besetztem Orchester, üppigem Chor und sieben stark geforderten Solisten, mit einer Handlung samt Exposition, Umschwung und Katastrophe.
Für das Libretto zeichnet der Franzose Tanguy Viel verantwortlich. Gerade an den Libretti hat es bei Neuschöpfungen in den letzten Jahren ja oft gehapert – dieser Text bildet eine erfreuliche Ausnahme. Linksextremisten entführen die Tochter eines Milliardärs. Sie verliebt sich in einen der Entführer. Politik, Krimi, Liebesgeschichte – alles kommt hier zusammen. Verfolgungsjagden und Schießereien werden mit Gesellschaftskritik und reflexiven Phasen gemischt, die Figuren psychologisch glaubhaft angelegt. Der von ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Christian Merlin
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