Politkriminal-Liebelei
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und Orchestermusik konzentriert, gelegentlich mit Elektronik beschäftigt.
Für sein erstes Musiktheaterstück wählte er aber keineswegs das Kammerspiel, sondern die große Oper, mit groß besetztem Orchester, üppigem Chor und sieben stark geforderten Solisten, mit einer Handlung samt Exposition, Umschwung und Katastrophe.
Für das Libretto zeichnet der Franzose Tanguy Viel verantwortlich. Gerade an den Libretti hat es bei Neuschöpfungen in den letzten Jahren ja oft gehapert – dieser Text bildet eine erfreuliche Ausnahme. Linksextremisten entführen die Tochter eines Milliardärs. Sie verliebt sich in einen der Entführer. Politik, Krimi, Liebesgeschichte – alles kommt hier zusammen. Verfolgungsjagden und Schießereien werden mit Gesellschaftskritik und reflexiven Phasen gemischt, die Figuren psychologisch glaubhaft angelegt. Der von ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Christian Merlin
Wie soll man heute die fern gerückte Geschichte der Medea erzählen? Kindsmord durch die eigene Mutter findet heutzutage überwiegend in prekärem Milieu statt, als Ursachen für die Kindesmisshandlung mit Todesfolge werden zumeist Verwahrlosung und Überforderung ausgemacht. Also eher nicht jene rasende Rache aus Eifersucht, von der der antike Medea-Mythos erzählt....
Auch dieses Stück ist ein Fall für die ewig offene Frage: Wie es wohl sein kann, dass von einer einst so erfolgreichen Oper bald keiner mehr Notiz nahm? Von 1690 bis 1693 amtierte Johann Georg Conradi als Direktor des Hamburger Theaters am Gänsemarkt. Der Import von Lullys Werken ist ihm zu verdanken. Und auch ein Hit aus eigener Feder: «Die schöne und getreue...
Der Weg von Los Alamos nach Hiroshima führt durch ein Labyrinth von Formeln. Physikalisch gesehen – und bildlich in dieser Inszenierung. Weniger als ein Monat lag zwischen dem erfolgreichen Nuklearwaffentest der USA im Juli 1945 und den verheerenden Atombombenabwürfen der Amerikaner auf Hiroshima und Nagasaki. Ein Menetekel der Menschheitsgeschichte.
Beklemmend...
