Politkriminal-Liebelei
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und Orchestermusik konzentriert, gelegentlich mit Elektronik beschäftigt.
Für sein erstes Musiktheaterstück wählte er aber keineswegs das Kammerspiel, sondern die große Oper, mit groß besetztem Orchester, üppigem Chor und sieben stark geforderten Solisten, mit einer Handlung samt Exposition, Umschwung und Katastrophe.
Für das Libretto zeichnet der Franzose Tanguy Viel verantwortlich. Gerade an den Libretti hat es bei Neuschöpfungen in den letzten Jahren ja oft gehapert – dieser Text bildet eine erfreuliche Ausnahme. Linksextremisten entführen die Tochter eines Milliardärs. Sie verliebt sich in einen der Entführer. Politik, Krimi, Liebesgeschichte – alles kommt hier zusammen. Verfolgungsjagden und Schießereien werden mit Gesellschaftskritik und reflexiven Phasen gemischt, die Figuren psychologisch glaubhaft angelegt. Der von ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Christian Merlin
Es war eine schöne, aufregende Zeit: Ich gehörte nun richtig zu einem andauernd Musik produzierenden Betrieb, konnte Opernproben und -aufführungen besuchen, so viel ich wollte. In der Kantine unterhielt ich mich mit Orchestermusikern und ließ mich über Ventile, Griffe, Bogen- und Atemtechniken belehren, dankbar für jeden Rat, jede neue Lektion.» 1950 wurde der...
Kunst gehört uns nicht. «Wir müssen sie immer wieder neu verdienen», sagt Serge Dorny. Draußen donnert es, als wollte der Himmel ein Ausrufezeichen setzen. Aber kein Gewitter naht; vielmehr rumoren einige Harleys am Café vorbei. Später sehen wir sie in der Nähe der Opéra abgestellt. Unter den Arkaden des Opernhauses, das dank des Architekten Jean Nouvel Gestern und...
Keine zwei Jahre ist George Benjamins «Written on Skin» alt – und schon so etwas wie ein Klassiker. Seit der bejubelten Uraufführung 2012 in Aix-enProvence hat das Werk des Messiaen-Schülers einen regelrechten Triumphzug angetreten: Schon die Uraufführungsinszenierung von Katie Mitchell wurde nach Amsterdam, London, Toulouse und Florenz und München weitergereicht....
