Zurück in die Zukunft

Serge Dorny präsentiert in Lyon ein ambitioniertes Britten-Festival und animierende Pläne

Opernwelt - Logo

Kunst gehört uns nicht. «Wir müssen sie immer wieder neu verdienen», sagt Serge Dorny. Draußen donnert es, als wollte der Himmel ein Ausrufezeichen setzen. Aber kein Gewitter naht; vielmehr rumoren einige Harleys am Café vorbei. Später sehen wir sie in der Nähe der Opéra abgestellt. Unter den Arkaden des Opernhauses, das dank des Architekten Jean Nouvel Gestern und Heute attraktiv vereint, zeigen wie immer Breakdancer ihre Kunst. Anderswo hätte man sie wahrscheinlich längst aus den heil’gen Hallen vertrieben.

Doch die gelenkigen Burschen reduzieren allein durch ihre Anwesenheit die berüchtigte Schwellenangst, integrieren das Haus auf ihre Weise als kultursoziologisches Zentrum ins Stadtgeschehen.

Schon deshalb sind sie Dorny willkommen. Denn sein Theater soll eben kein Tempel sein. Er will nicht Nekrophilie betreiben, Oper keinesfalls bloß als, wie man in Wien sagen würde, «schöne Leich’» anbieten. Womit er sich nicht nur Freunde macht. Was er auch in Dresden erfahren musste, wo er mit seinen – überfälligen – Erneuerungsplänen scheiterte, eher er sie umsetzen konnte; nicht zuletzt, um nicht zu sagen: vor allem wegen der Differenzen zu Christian Thielemann. Von der Bühne ist das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Kammerspiel

Dresden, die Strauss-Stadt. «Feuersnot», «Elektra», «Salome», «Der Rosenkavalier» – sie alle sind hier uraufgeführt worden. Dirigiert von Ernst von Schuch, Strauss’ Leib- und Seelendirigent. Schuch hatte ein Haus zehn Kilometer abseits der Semperoper, in Radebeul, zwischen Weinbergen und Elbstrom. Gleich neben dem Gasthof Goldene Weintraube. Heute steht hier das...

Bloß keine Schicksalswolken

Manon Lescaut», uraufgeführt 1893 wenige Tage vor Verdis «Falstaff», zeigt Puccini auf dem Weg zu sich selbst. Ein junger, selbstbewusster und erfolgsgeiler Komponist führt vor, was er kann. Ganz nebenbei vernichtet er – zumindest verbal – die Konkurrenz. Massenets neun Jahre zuvor erstmals gespielte «Manon» sei, so höhnte Puccini, ein Stück aus Puder und Menuett....

Fort mit dem Plunder

Vom Finale der «Ariadne»-Oper hatte Hugo von Hofmannsthal klare Vorstellungen – als «wahrhaftiges Geheimnis» wollte er die Vereinigung Ariadnes mit Bac­chus auf der Bühne sehen. Mit dem Eintritt des Gottes in die von Zerbinettas Commedia-Truppe immer wieder aufgemischte Tragödienwelt der kretischen Königstochter müssten alle «puppenhaften Kulissen verschwunden...