Banalität des Bösen
Es war eine schöne, aufregende Zeit: Ich gehörte nun richtig zu einem andauernd Musik produzierenden Betrieb, konnte Opernproben und -aufführungen besuchen, so viel ich wollte. In der Kantine unterhielt ich mich mit Orchestermusikern und ließ mich über Ventile, Griffe, Bogen- und Atemtechniken belehren, dankbar für jeden Rat, jede neue Lektion.
» 1950 wurde der 24-jährige Hans Werner Henze für die Ballett- und Bühnenmusik ans Staatstheater Wiesbaden engagiert, und als elf Jahre später seine Oper «Elegie für junge Liebende» in Schwetzingen uraufgeführt wurde, konnte jeder hören, welche Kenntnisse er damals im Graben und in der Kantine der Wiesbadener Oper gesammelt hatte. Unerhört die Eleganz und dramatische Passform, mit der Henze in der «Elegie» das kleine Orchester zum Klingen bringt, wie er die alten Formen der Passacaglia oder Arie mit dem neuen Zungenschlag der Seriellen konfrontiert; grandios das Geschick, mit dem er in Fortführung von Strauss und Berg Stimmen führt und zu (vor allem schlechten) Charakteren aufbaut.
Für seine letzten «Internationalen Maifestspiele» hat der scheidende Intendant Manfred Beilharz jetzt Henzes Oper erstmals nach Wiesbaden geholt – sicher ein ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Struck-Schloen
Das Stück ist viel schwerer, als es auf den ersten Blick scheint. Ein erster Blick auf die vollgestellte Bühne mit den zwei roten Wohnwagen (Noëlle Ginefri) verheißt pure Leichtigkeit des Seins, das bekannte Theater auf dem Theater: Statt eines Vorhangs sieht das hereinspazierende Publikum auf die betriebsame Szenerie einer italienischen Wandertheatertruppe, deren...
Nichts ist vorgegeben in diesen Werken. Nirgends richten sie sich ein. Sie kennen nur eines: die Suche nach den Ursprüngen, dem Grund, den Atomen von Sprache und Klang. In vielen Arbeiten Sergej Newskis (*1972) steht die menschliche Stimme im Zentrum dieser Suche. «Autland» etwa, ein siebenteiliges «Musiktheater für sechs Solisten und Kammerensemble» (2009/2012),...
Impressum
55. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752268
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 12.05.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
