Pluderhosen
Während Wien im Dezember oft in diffuses, schattenloses Grau getaucht scheint, das so manchen in Schwermut stürzt; während die meisten Menschen zu Advent, der vermeintlich stillsten Zeit des Jahres, der Depression mit unbarmherziger Betriebsamkeit beizukommen suchen, schenkt die Wiener Staatsoper zumindest den Opernfundis das Glückshormon Serotonin: Endlich ein «Falstaff», wie er ihrer Meinung nach sein soll, retro, «werkgetreu» angesiedelt in der Zeit Shakespeares und von Elisabeth I.
– etwas «für’s Publikum und nicht für die Kritiker», wie ein Blogger mit hämischer Genugtuung bemerkte. Wobei die Frage erlaubt sein darf, wie werkgetreu elisabethanisch denn nun Verdis «Falstaff»-Partitur ist.
Auf jeden Fall waren Regisseur David McVicar und sein Team – Charles Edwards, Bühne; Gabrielle Dalton, Kostüme – zu Diensten, als Dirigent Zubin Mehta darum bat, «einmal eine Produktion im originalen Stil der Falstaff-Zeit aus der Taufe heben» zu dürfen. Also sahen wir in McVicars handwerklich solider, umtriebiger Inszenierung einen Stutzer in den notorischen, Tudor-affinen Pluderhosen, die zu ihrer Zeit nicht nur reichlich Raum für allerlei dem Manne Wesentliches boten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die besten britischen Stimmen, so geht die Fama, kommen aus Australien. Wenn man die von Roger Neill und Tony Locantro sachkundig edierte fünfstündige Dokumentation betrachtet, in der nicht weniger als 80 australische Sängerinnen und Sänger in Aufnahmen aus 110 Jahren präsentiert werden, festigt sich der Eindruck: Da könnte was dran sein. Die früheste, mit der...
Herr Visser, gab es ein Erlebnis, das Sie für die Oper entflammen ließ?
Ich stand zwar früh während der Schulzeit in Theaterstücken auf der Bühne, aber ich erinnere mich, wie ich zufällig im Fernsehen eine Übertragung von Wagners «Ring» sah, die Amsterdamer Produktion von Pierre Audi. Während mein Vater Fußball guckte, sah ich fasziniert die «Walküre», eine...
Zunächst lässt wenig darauf schließen, dass die Nachricht mehr sein könnte als eine Fußnote im ewig-lästigen Familienstreit der Wagners um Bayreuth. In Wahrheit ist sie ein Lehrstück staatlicher Kulturpolitik. Das Landgericht Bayreuth wies im Dezember eine Klage aus den Reihen der Richard-Wagner-Stiftung ab. Vier Angehörige der Familie, darunter ...
