Pluderhosen
Während Wien im Dezember oft in diffuses, schattenloses Grau getaucht scheint, das so manchen in Schwermut stürzt; während die meisten Menschen zu Advent, der vermeintlich stillsten Zeit des Jahres, der Depression mit unbarmherziger Betriebsamkeit beizukommen suchen, schenkt die Wiener Staatsoper zumindest den Opernfundis das Glückshormon Serotonin: Endlich ein «Falstaff», wie er ihrer Meinung nach sein soll, retro, «werkgetreu» angesiedelt in der Zeit Shakespeares und von Elisabeth I.
– etwas «für’s Publikum und nicht für die Kritiker», wie ein Blogger mit hämischer Genugtuung bemerkte. Wobei die Frage erlaubt sein darf, wie werkgetreu elisabethanisch denn nun Verdis «Falstaff»-Partitur ist.
Auf jeden Fall waren Regisseur David McVicar und sein Team – Charles Edwards, Bühne; Gabrielle Dalton, Kostüme – zu Diensten, als Dirigent Zubin Mehta darum bat, «einmal eine Produktion im originalen Stil der Falstaff-Zeit aus der Taufe heben» zu dürfen. Also sahen wir in McVicars handwerklich solider, umtriebiger Inszenierung einen Stutzer in den notorischen, Tudor-affinen Pluderhosen, die zu ihrer Zeit nicht nur reichlich Raum für allerlei dem Manne Wesentliches boten, ...
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