Plötzlich im luftleeren Raum
Verspottet hätten sie ihn, 14-mal. In Luxemburg, Innsbruck, Mailand, Moskau, Luzern oder Paris. Und Julian Prégardien hätte als Evangelist davon berichtet, vom Bespeien und Schlagen des Heilands, mit gebotener, von ihm gewohnter Emphase. Mutmaßlich. Denn irgendwann, in der zweiten Märzhälfte, ereilte auch den Tenor das Schicksal: Alle Matthäus-Passionen mit dem Collegium Vocale Gent unter Philippe Herreweghe wurden gestrichen. Kein Ausfall, den man einfach so wegsteckt: «Diese Wochen stellten ein Viertel meines Jahresumsatzes dar.»
Passionszeit, das ist wie Advent.
Die fruchtbarsten, einträglichsten Phasen für freie Sänger und Instrumentalisten. Manche kommen dank dieser Wochen überhaupt erst auf ein fünfstelliges Jahresgehalt. Nach Angaben der Künstlersozialkasse beträgt das durchschnittliche Bruttoeinkommen freiberuflicher Musiker 13.000 Euro – einen Spielraum für Rücklagen gibt es also nicht. Prégardien räumt ein: Hunger leiden müsse er nicht so schnell, schließlich sei da noch die Professur in München. Dennoch machte sich anfangs Furcht breit – und eine gehörige Portion Wut. «Ich will Corona keinesfalls kleinreden», sagt Prégardian. Aber angesichts der Grippe-Toten «wurde nie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Thema, Seite 18
von Markus Thiel
Herr Papendell, schaut man auf Ihre Website, entsteht der Eindruck eines Menschen, der seinen Beruf durchaus augenzwinkernd betrachtet. Stimmt dieser Eindruck?
In gewisser Weise schon, obwohl die Website nicht auf dem allerneuesten Stand ist; die Fotos sind fünf, sechs Jahre alt, ich sollte sie mal erneuern (lacht). Aber im Ernst: Ich bin nun schon so lange an der...
Bevor der Betrieb aufgrund der Corona-Krise endgültig zum Erliegen kommt, weil auch die Probenarbeit eingestellt werden muss, kommt es am Theater Krefeld noch zu einer «Geisterpremiere»: Antonin Dvořáks Märchenoper «Rusalka» in der Regie von Ansgar Weigner ist nur für die Presse geöffnet. Die darf aber zwei Tage nach der Geisterpremiere von Aubers «Die Stumme von...
Einen «Blödsinn sondergleichen» hat Marcel Reich-Ranicki «Die Räuber» einmal genannt – und doch bekannt, dass er Friedrich Schillers Dramenerstling, diese «Explosion der Jugend», liebe. Das Problem der selten gespielten Oper, die Giuseppe Verdi und sein Librettist Andrea Maffei im Jahr 1847 daraus gemacht haben, ist, dass sie die, mit Reich-Ranicki, «ungeheuerliche...
