Wenn die Birken leuchten
On the top zu sein, wie die Briten es so elegant zu formulieren wissen (das deutsche Wort «obenauf» klingt dagegen doch etwas verzopft), hat einen immensen Vorteil: Man sieht mehr. Weiter. Besser. Klarer. Vom zwölften Stockwerk des geschmackvoll eingerichteten Comfort Hotels Winn im Zentrum von Umeå beispielsweise, 52 Meter über dem Meeresspiegel, schaut man nicht nur herunter auf das hübsche, backsteinrote Rathaus aus dem 19.
Jahrhundert, den mit Steinplatten ausgelegten Marktplatz und mehrere, rechteckig angelegte Einkaufsstraßen rundherum, man hat überdies einen wunderbaren Blick bis zu den Birkenwäldchen am Ufer des Flusses, den eine silbrige Kruste überzieht. «Umeå River», so hat es der freundliche Taxifahrer, der eigentlich aus Istanbul stammt, aber auf verschlungenen Pfaden in den hohen Norden gelangte (und seine Wahlheimat trotz der gefühlt 50 Grad Temperaturdifferenz außerordentlich liebt), in lupenreinem Englisch erklärt, sei der Name des frühlings wie sommers träge dahinfließenden, in Herbst und Winter stummen Stromes. Nur hat er nicht Umeå gesagt, sondern Umeò. Na gut, dann eben Umeò. Oder, wie es die ganz gewieften Einheimischen nennen: Ümme.
«Umeò» oder «Ümme» ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Reportage, Seite 48
von Jürgen Otten
Es lockt erst einmal alles in die falsche Richtung. Barrie Kosky, der Operetten-Derwisch, inszeniert einen Berlin-Abend mit Schlagern der 1920er- und 1930er-Jahre, arrangiert rund um eine Klassik-Diva. Das kleine Orchester auf der Vorbühne schraubt sich schamlos in die Romaklänge von Nico Dostals «Heut’ Abend lad ich mir die Liebe ein!». Ein letzter Taumel aus dem...
Jubilare
Kein zweiter Autor hat «Opernwelt» so lange ohne Unterbrechung «beliefert» wie Gerhart Asche. Die Leidenschaft für das Zusammenspiel von Text und Musik war bei dem Bremer bereits voll ausgeprägt, bevor er 1976 als bis heute aktiver ständiger Mitarbeiter diese Zeitschrift zum ersten Mal um Rezensionen, Reportagen und Künstlergespräche bereicherte. Dass...
Für ungewöhnliche Projekte war The Industry schon immer gut. Mit «Sweet Land» ist der freien Operntruppe in Los Angeles nun der nächste große Wurf gelungen – eine faszinierende Performance über die Kolonisierung der Ureinwohner Nordamerikas. Als Bühne diente die Natur: der in Sichtweite des Zentrums gelegene State Historic Park. Während die «Handlung» unter freiem...
