Der Weg ins Freie
Nach 66 Minuten fängt das Leben an. Das Leben in Freiheit, als lange schon gehegter Wille und Wunsch. Eine Tür wird zur Seite geschoben, Luft (von anderen Planeten?) strömt herein, nur eine Jalousie versperrt noch den Weg ins Licht. Doch just in diesem Augenblick endet alles: die Musik, die Worte und Stimmen, der Gesang, die Bewegung. Und plötzlich wirkt die Große Ausstellungshalle in der Akademie der Künste am Berliner Hanseatenweg seltsam unbelebt, wirken auch die Protagonisten dieser Aufführung seltsam erstarrt.
So als sei die Möglichkeit von Freiheit gleichbedeutend mit totaler Ungewissheit.
Beethovens «Fidelio» war da entschiedener, eindeutiger, der C-Dur-Jubel am Ende buchstäblich entfesselter. Doch es war klar, dass ein Musiktheater, das sich zum 250. Geburtstag des Meisters mit seiner einzigen Oper beschäftigt, dies nicht eins zu eins abbilden würde. Schon der Titel deutet Distanzierung durch Befragung an: «Wir sind so frei #1» will, als Auftakt zu einer Trilogie der Kompagnie Novoflot, Echo zu Beethovens Freiheitsoper sein, Übermalung, Kommentar und nicht zuletzt auch ironischer Beitrag zur Festkultur.
Allein der Stelen-Archipel aus monadischen akustischen Quellen, den ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Jürgen Otten
25. Februar ‒ She
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Anstelle des gewohnten Überblicks über die Premieren des Monats veröffentlichen wir hier eine Auswahl der vielfältigen Netz-Angebote ausgewählter Häuser, die Ihnen unterschiedlichste Möglichkeiten eröffnen, am musikalischen und musikdramatischen Geschehen während der Schließzeiten teilzunehmen – und das häufig bei freiem Eintritt! Trotz täglich aktualisierter...
Ein Virus raubt der Welt den Atem, nimmt auch der Kunst den Lebensraum. Schon am 12. März, noch bevor in Österreich rigorose Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, verkündeten die Osterfestspiele Salzburg und die Spitzen der Landes- und Stadtpolitik die Absage des Festivals für 2020. Erstmals seit 1967 wurden zehn Festspieltage ersatzlos gestrichen. Kein neuer...
