Phantastische Welt
Manche Schocks, das weiß schon der Volksmund, können auch heilsam sein. Für den Grünschnabel, der da im Sommer 1962 zu den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik gereist war, um zeitgenössische ästhetische Strömungen zu studieren, zählte die Begegnung mit Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Bruno Maderna ganz gewiss in diese Kategorie: Was ihm bei seiner Hospitanz in der Büchner-Stadt an serieller Selbstbehauptung entgegenwehte, machte dem jungen Komponisten mit einem Schlag klar, dass dies seine Richtung nie werden würde.
Entsprechend schroff fiel seine Reaktion aus: Wie in einem «musikalischen Ghetto» wähnte sich Wilfried Hiller weiland im Kreise der Dogmatiker. Und entschied sich just in diesem Augenblick für einen anderen, eigenen Weg.
Zu den «großen» Komponisten der Gegenwart zählt Hiller vermutlich nicht, dafür ist seine Klangsprache zu gefällig-moderat, zu wenig modern, ja, wohl schlicht auch zu tonal grundiert. Für ihn aber war es die einzige Möglichkeit, seinem Ideal, was Musik sein und was sie bewirken soll, treu zu bleiben. Wilfried Hiller ist sich, so viel kann man sagen, «treu» geblieben, er hat den Unkenrufen der westlichen Avantgarde, die ihn einen ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 91
von Jan Verheyen
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