Editorial Opernwelt 3/26
Es ist leider nicht bekannt, ob sich in der Bibliothek des US-amerikanischen Präsidenten – so er denn überhaupt eine solche besitzt – Werke von Friedrich Nietzsche befinden. Doch vermutlich hat Donald Trump von diesem Denker der Spätromantik noch nie etwas gehört. Aber das ist auch völlig unnötig, schließlich besitzt der misogyne MAGA-Mann jenen «Willen zur Macht», wie ihn Nietzsche in seiner poetisch-philosophischen Studie «Also sprach Zarathustra» ins Feld führte.
Spannend daran generiert vor allem die radikale Deutung: «Die Macht ist böse; wir sind nicht groß genug auch zu ihrem Bösen. Der Schaffende ist ein Vernichter: Wir sind nicht groß genug zum Schaffen und Vernichten.» Genau in diesem (undialektischen) Widerspruch wohnt die immense Gefahr, die von Potentaten wie Trump ausgeht: Im Grunde sind sie durchweg tumbe, von einer narzisstischen Kränkung befallene Nihilisten, die all das, was sie «kreieren», mit einer totalitären Toxizität versehen. Trumps irrlichternde Aktionen, die in erster Linie aus der zarathustrischen Trias aus «Wollust, Herrschsucht, Selbstsucht» gespeist werden (und sich als Wille zur Veränderung tarnen), bedrohen wesentliche Errungenschaften der ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Was kommt
Kunst der Tiefe
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