Ein paar Kurven zu viel
Ein saftig grüner Kunstrasen erstreckt sich über die gesamte Bühne. Außer dieser opulenten, an einen Sportplatz erinnernden Spielfläche gibt es in R. B. Schlathers Inszenierung von Agostino Steffanis «Amor vien dal destino» keine weitere Kulisse, sieht man von einigen Feuerschalen ab, aus denen im dritten Akt domestizierte Flammen züngeln. Es gehört zweifellos Mut dazu, ein unbekanntes Barockwerk mit einer Spieldauer von mehr als dreieinhalb Stunden in einem (zumal so spartanischen) Bühnenbild aufzuführen. Doch das Faible des Regisseurs für Reduktion ist bekannt.
Außerdem hält er einige Trümpfe in der Hand, um die Irrungen und Wirrungen des barocken Liebesspieles auf dem Kunstrasen am Laufen zu halten. Das sind nicht nur das Solistenensemble und der Alte Musik-Spezialist Václav Luks am Dirigentenpult, sondern auch die Musik selbst, die fast 300 Jahre nach dem Tod Agostino Steffanis, der 1728 auf der Durchreise in Frankfurt starb, erstmals an der Oper Frankfurt zu erleben ist. Das Libretto greift auf Motive aus Vergils «Aeneis» zurück: Der schönen Lavinia ist Aeneas im Traum erschienen. Seitdem liebt sie den Helden, auch wenn der Vater sie dem König Turnus versprochen hat. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvia Adler
Es ist leider nicht bekannt, ob sich in der Bibliothek des US-amerikanischen Präsidenten – so er denn überhaupt eine solche besitzt – Werke von Friedrich Nietzsche befinden. Doch vermutlich hat Donald Trump von diesem Denker der Spätromantik noch nie etwas gehört. Aber das ist auch völlig unnötig, schließlich besitzt der misogyne MAGA-Mann jenen «Willen zur Macht»,...
Shakespeares Dänenprinz lag nicht falsch mit seiner Einschätzung: Die Welt ist tatsächlich aus den Fugen. Daran können auch die beiden Vampirinnen mit den niedlichen Namen Vampi und Bampi wenig ändern. Das Problem, vor dem sie stehen, nennt sich Entropie, jenes irreduzible Maß für die Unkenntnis der Zustände und die Idiotie aller einzelnen Teilchen. Da sitzen sie...
Sklaverei scheint in «aufgeklärten» Gesellschaften überwunden. Doch ist sie näher, als wir meinen – nicht nur angesichts des Terrors eines «Islamischen Staates» oder in libyschen Flüchtlingslagern. Auch zu Rossinis Zeiten war sie näher, als es Italienerinnen und Italienern lieb sein konnte. Noch bis 1830 kaperten Piraten vor allem aus dem heutigen Algerien Schiffe...
