Pauschalreise
Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis Shakespeare-Oper etwas an, was «Macbeth»-Exegeten sonst eher der Lady zuschreiben. Michieletto aber verweigert ihr ausdrücklich diese emotionale Grundierung. Warum sie der Kindstod kalt lässt, bleibt freilich offen.
Die Regie, psychologisch zu grob gefasst, verengt den Blick, auch wenn sie sich andererseits um Abstraktion bemüht.
Paolo Fantin hat die Bühne wie eine Installation gestaltet, mit milchigen Folien und kaltem Röhrenlicht. Sie ist gespickt mit leitmotivischen Symbolen des Vergangenen. Die erstickende Sterilität der zerrissenen Plastikplanen prägt das Interieur. Die Ermordeten werden darin eingewickelt und entsorgt. Laut raschelndes Spielmaterial für den in Leinenfetzen gehüllten, embryonenhaften Hexenchor. Schwarz bis nebelgrau schimmert der Raum, eine beklemmende Atmosphäre, zumal beim tödlichen Anschlag auf ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Richard Erkens
Das Experiment war einmalig. So zumindest empfand es der Dichter Hugo von Hofmannsthal nach einem äußerst spannungsreichen Entstehungsprozess, der beinahe zu einem Zerwürfnis zwischen ihm und dem Komponisten Richard Strauss geführt hätte. Am Ende aber stand ein überaus komplexes Meisterwerk – «Ariadne auf Naxos». David Hermann hat es nun in Dresden (nach einem...
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle»...
JUBILARE
Margaret Marshall studierte an der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow. Sie nahm Unterricht bei Edna Mitchell und Peter Pears in England sowie bei Hans Hotter in München, wo sie 1974 durch den Gewinn eines Internationalen Wettbewerbs auf sich aufmerksam machte und bald darauf als Konzertsängerin in ganz Europa gefragt war. Die Sopranistin...
