Pathosfrei

Wagner aus Erl auf CD.

Opernwelt - Logo

Was die Frage der schnellen «Parsifal»-Tempi betrifft, liegt Gustav Kuhn sicher richtig. Wagner wollte einen durchweg flüssigen Duktus für sein Bühnenweihfestspiel. Kein Pathos, keine bis an die Grenzen der Spielbarkeit (Atem der Bläser!) getriebenes Stillstehen der Zeit. Insofern ist die Initiative aus Erl zu begrüßen: «Parsifal» auf nur drei CDs. Trotzdem fragt man sich, ob diese CDs mehr sein können und wollen als ein Souvenir für diejenigen, die in Erl waren.

«Parsifal» ist diskografisch hervorragend vertreten (auch in schnellen Tempi: Pierre Boulez, Rafael Kubelik, Clemens Krauss). Und so unüberhörbar Gustav Kuhn sein Handwerk beherrscht, große Bögen schlägt und den Sängern gibt, was sie brauchen: Bei instrumentalen Details hapert es; vor allem gehen Hauptstimmen oft als bloße Begleitung unter (zum Beispiel in Parsifals «Amfortas!»-Monolog). Alle Rollen kann man in anderen Aufnahmen besser hören. Am souveränsten schlagen sich Michael Baba in der Titelpartie und Thomas Gazheli als Amfortas (Letzterer trotz massiver Vokalverfärbungen). Den Tiefpunkt markiert Manfred Hemm als Gurnemanz. So gesungen werden die Erzählungen des Gralritters selbst bei schnellen Tempi zu lang.
Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Medien, Seite 44
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Glück im Unglück

Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach...

Startschuss für die Berlioz-Renaissance

Schon zu Berlioz’ Lebzeiten galten «Les Troyens» in der fünfaktigen Version als unaufführbar. Der Komponist musste sein ehrgeizigstes Werk deshalb teilen. Was dann am
4. November 1863 unter dem Titel «Les Troyens à Carthage» im Pariser Théâtre-Lyrique zur Uraufführung kam, waren die letzten drei Akte. Die ersten beiden («La Prise de Troie») wurden zehn Jahre nach...

Die Stipendiaten der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung

Mit einer Aufführung von Donizettis Opera buffa «Viva, la mamma!», in der die Sitten und Unsitten des Theaterbetriebs ins Visier genommen werden, beendeten die ersten sechs Stipendiaten der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung erfolgreich ihre Ausbildung am Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden. Die beiden israelischen Sopranistinnen Gal James und Enas...