Pathosfrei

Wagner aus Erl auf CD.

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Was die Frage der schnellen «Parsifal»-Tempi betrifft, liegt Gustav Kuhn sicher richtig. Wagner wollte einen durchweg flüssigen Duktus für sein Bühnenweihfestspiel. Kein Pathos, keine bis an die Grenzen der Spielbarkeit (Atem der Bläser!) getriebenes Stillstehen der Zeit. Insofern ist die Initiative aus Erl zu begrüßen: «Parsifal» auf nur drei CDs. Trotzdem fragt man sich, ob diese CDs mehr sein können und wollen als ein Souvenir für diejenigen, die in Erl waren.

«Parsifal» ist diskografisch hervorragend vertreten (auch in schnellen Tempi: Pierre Boulez, Rafael Kubelik, Clemens Krauss). Und so unüberhörbar Gustav Kuhn sein Handwerk beherrscht, große Bögen schlägt und den Sängern gibt, was sie brauchen: Bei instrumentalen Details hapert es; vor allem gehen Hauptstimmen oft als bloße Begleitung unter (zum Beispiel in Parsifals «Amfortas!»-Monolog). Alle Rollen kann man in anderen Aufnahmen besser hören. Am souveränsten schlagen sich Michael Baba in der Titelpartie und Thomas Gazheli als Amfortas (Letzterer trotz massiver Vokalverfärbungen). Den Tiefpunkt markiert Manfred Hemm als Gurnemanz. So gesungen werden die Erzählungen des Gralritters selbst bei schnellen Tempi zu lang.
Die ...

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Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Medien, Seite 44
von Stephan Mösch

Vergriffen
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Nach dem «24-Stunden-Ring» im Jahr 2005 und dem einwöchigen «Sixpack» mit der Tetra-logie plus «Tristan» und «Parsifal» 2007 gaben sich die Festspiele Erl in diesem Jahr nachgerade bescheiden: Zwei Produktionen hatte der Tiroler Festival-Chef Gustav Kuhn anberaumt, mit den «Meistersingern» und «Fidelio» allerdings ausgesprochene Schwergewichte.
Erl ist das Unikum...

Aus der Fülle

Auch wenn man diese «Parsifal»-Inszenierung zum zweiten Mal erlebt, kann nur ein Bruchteil der ständig flutenden Bilder im Gedächtnis bleiben. Die Zeitreise von der Uraufführung 1882 bis in Adenauers Bundestag ist klarer geworden (sie ist in diesem Jahr durch Flüchtlinge ergänzt, die nach «Ich sah ihn und lachte...» von NS-Soldaten weggeführt werden). Doch sie...