Am Klavier geweint
Il grande cacciatore. Irgendwie erinnert die stete Jagd Giacomo Puccinis (der im Übrigen auch echtes Wild mit großer Begeisterung erlegte) nach Frauenliebe an Max Frischs Schauspiel «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», in dem der Titelheld an der Einsicht reift, wirkliche Erfüllung im realen Leben nicht finden zu können, und sich deswegen in die Geometrie flüchtet, wo alle Parameter stimmen.
Puccini flüchtete sich in die Kunst, in seine Opern, die ganz reales Erleben bescherten.
Der Tod Mimìs etwa soll ihn zutiefst berührt haben: «Tränen verdunkeln sein Auge, er weint, über sein Klavier gebeugt, an dem ihre letzten melodischen Laute entstanden, und bei dieser Szene des Abschieds vom Leben nahm er wohl auch den Hut vom Kopf», berichtete der Musikschriftsteller Ernst Decsey in einem Gedenkartikel zum zehnten Todestag des Komponisten (die Erwähnung des Huts spielt dabei auf Puccinis Eigenheit an, den Kopfschutz ansonsten selbst beim Komponieren am Klavier aufzubehalten).
Solch heftige Emotion spiegelt sich natürlich in Puccinis Frauenfiguren, weswegen manche Interpretin sich bemüßigt fühlt, Hysterie gewissermaßen als permanentes Kostüm vorzuführen – was wiederum den professionell ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben...
Es muss sich alles ändern, und es muss gleichzeitig alles bleiben, wie es ist.» So Wulf Konold im Gespräch mit dieser Zeitschrift, als er Wolfgang Gönnenwein, den 32 Jahre amtierenden Intendanten der Ludwigsburger Schlossfestspiele ablöste. Beides gleichzeitig geht nicht, also blieb alles mehr oder weniger beim Alten. Weil Konold, bis 2008 in Personalunion auch...
Herr Bachler, nach einem Jahr an der Bayerischen Staatsoper: Was hat Sie am meisten überrascht? Was hätten Sie so nie erwartet?
Erstens die unglaubliche Offenheit der Menschen hier. Ich wusste gar nicht, mit wie vielen Konditionen man in Wien lebt. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass man in Wien immer sekundär und tertiär denkt. In München ist alles viel direkter und...
