Passage ins Licht
Manaus gehört zu jenen romantisch verrotteten Belle-Époque-Perlen, die man sich schön sehen muss und kann. Die bunt gestrichenen Fassaden des Dritten Rokoko und ihre verspielten Stuckaturen, Patios, Fayence-Kacheln und Eisenbalustraden wettstreiten mit der barocken Vegetation und Vogelwelt. Die Amazonas-Metropole verdankte ihren märchenhaften Reichtum dem Kautschuk-Boom in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als die Engländer den Samen nach Asien exportierten, war es damit zu Ende. Malaysia produzierte billiger.
1925 schloss das rosafarbene Opernhaus, das ab 1883 mit seiner weithin sichtbaren in den brasilianischen Nationalfarben Grün und Gelb auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet und Silvester 1896 eingeweiht worden war. Nach aufwändiger Restaurierung wurde es 1997 seinem Dornröschen-Schlaf entrissen. Nun feierte das jeweils im April/ Mai stattfindende Manaus Opera Festival sein 15-jähriges Jubiläum.
Dass mitten im Dschungel «Tristan» oder «Der Ring des Nibelungen» aufgeführt wird, sei ein Wunder, meint die aus Paris stammende Sopranistin Isabelle Sabrié. Die Operalia-Preisträgerin von 1994 stieg vor drei Jahren aus dem kommerzialisierten Kulturbetrieb aus, um sich als ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Boris Kehrmann
Ob es Alan Curtis noch zu einer Gesamtaufnahme aller Händel-Opern bringen wird? Dank der finanziellen Unterstützung der Händelianerin Donna Leon ist die Aufnahmeliste des 76-Jährigen schon auf über zehn Werke gewachsen, und nachdem frühere Curtis-Einspielungen eher den Werken aus der zweiten Reihe («Lotario», «Arminio») galten, wagt er sich seit einiger Zeit an...
Glucks «Telemaco» wurde 1765 als Festoper zur Hochzeit des späteren österreichischen Kaisers Joseph II. komponiert, nach zwei Vorstellungen abgesetzt und danach nicht mehr nachgespielt. Obwohl das zwischen «Orfeo» und «Alceste» geschriebene Werk seit 1972 ediert in der Gluck-Gesamtausgabe vorliegt, hat es seither nur ein einziges Mal den Weg auf die Bühne gefunden....
Jeder regelmäßige Besucher von Kopenhagens Oper weiß, was es bedeutet, wenn sich das Publikum plötzlich schweigend von seinen Sitzen erhebt. Auf diese Art erweist das dänische Volk traditionell seiner Königin Respekt – und setzt sich erst wieder, wenn Margarethe II. Platz genommen hat. Das ist auch an diesem Dienstagabend nicht anders, als die opernaffine...
