Operettenseligkeit

Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny an der Staatsoper Stuttgart

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Auch Erfolge können altern. Bertolt Brechts und Kurt Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» jedenfalls hat in Stuttgart einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Das diabolische Spiel, das Brechts gleichermaßen opern- wie kapitalismuskritischer Text hier auftischt, und das diabolische Vergnügen, das Weills kulinarisch schmissige Musik dagegen setzt, finden – selbst im Kontrast – nicht zusammen.

Da hilft es auch wenig, dass das Regieteam um Ulrike Schwab das Theater und seinen Raum unterwandert, die leere Bühne zum Konzertpodium umbaut, den Orchestergraben hochfährt, den Boden mit einer Nachahmung von Michelangelos «Jüngstem Gericht» überzieht und außerdem einen dann allerdings kaum bespielten schmalen Holzsteg bis in die Mitte des Parketts schiebt. Besonders «interaktiv» wird das Geschehen dadurch nicht. Ein Fake, das Publikum werde «Teil des Ganzen», wenn selbst der Freiwillige, der zur Liebesfolter auf die Bühne gelockt wird, inszeniert ist.

Uneingelöst bleibt auch Schwabs Idee, die Weltuntergangsrevue aus der Sicht eines sich gegen die Menschheit im Allgemeinen, insbesondere aber gegen die Männerwelt verbündenden Duo Infernale zweier Frauen, der Kriminellen Leokadja ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Uwe Schweikert

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