Entdeckerlust
Der Mann hatte viel um die Ohren. Sechsunddreißig Kinder im wirklichen Leben. Allerdings nur sechzehn auf der Bühne – «die unehelichen nicht eingerechnet», wie es heißt. Pali Rácz, der alte Zigeunerprimas – im wahrsten Wortsinne –, ist der Protagonist jener Operette, die Emmerich Kálmáns Durchbruch als Bühnenkomponist im Jahre 1912 bedeutete. Rácz, dessen künstlerischer Stern im Alter zu sinken und dessen Eitelkeit äquivalent dazu zuzunehmen scheint, verlangt, dass alle nach seiner Pfeife tanzen.
Das gilt auch – und erst recht – für seinen Sohn Laczi, der im Gegensatz zu seinem ausschließlich autodidaktischen Vater eine akademische Ausbildung hinter sich hat. Schließlich kommt es zum musikalischen Duell, bei dem der Filius den besserwisserischen Papa besiegt. Das Publikum wendet sich vom Alten ab und Laczi zu.
Die Dialoge sind für diese Produktion gestrichen und durch eine Prosafassung ersetzt worden, die Sunnyi Melles mit sinnlicher, theaternaher Glaubwürdigkeit vorträgt. Wahrscheinlich ist es ihrem ungarischen Vater zu verdanken, dass sie das landessprachliche Vokabular so mühelos beherrscht. Claus-Peter Flor leitet ein farbenreiches, selbstbewusstes Münchner ...
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Erstaunlich lange hat Berlin auf Claudio Monteverdi warten müssen. Während der legendäre Zürcher Zyklus von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle an fast allen Opernhäusern Europas als Initialzündung für eine Auseinandersetzung mit den Bühnenwerken Monteverdis in historisierendem Klangbild wirkte, ging diese Welle sowohl an der geteilten wie an der...
Herr Pflegerl, der moderne Zubau des Klagenfurter Theaters sieht in abendlicher Beleuchtung aus wie das Heck des Traumschiffs, wenngleich Ihnen als Kapitän keineswegs nach Vergnügungsfahrt zumute sein dürfte.
Es ist knapp vor der Hafeneinfahrt. Nach dem letzten Coup unserer unnachahmlichen Kulturpolitik bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als mit dem...
In allgemein schwieriger Lage feiert Dessau seinen großen Sohn Kurt Weill ausgelassen und optimistisch. Immerhin begann die 13. Auflage der Festivitäten (die jährlich rund 9000 Zuschauer anziehen) gleich mit einem «Happy End» – jenem nämlich, das Weill 1929 auf Song-Texte Bertolt Brechts komponierte. Dass dazu auch ein gleichnamiges Theaterstück existiert, ist...
