Ohr fürs Wesentliche

Der junge Bariton Ludwig Mittelhammer singt Mahlers «Lieder eines fahrenden Gesellen» und legt mit Werken von Schubert, Wolf und Medtner sein erstes Solorecital vor

Opernwelt - Logo

Alle Beschränkung beglückt», vermerkte Arthur Schopenhauer. Er tat dies in Hinsicht auf seine Erkenntnistheorie, nicht auf den von Arnold Schönberg geschaffenen «Verein für musikalische Privataufführungen».

Doch im geschärften Blick auf das Wesentliche mögen sich gemeinsame Glücksmomente ergeben – etwa in der musikalischen Bearbeitung, die Schönberg Gustav Mahlers Zyklus «Lieder eines fahrenden Gesellen» angedeihen ließ: Er pointierte die Partitur durch die Beschränkung auf fünf Solostreicher (Streichquartett und Kontrabass), Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn sowie Harmonium, Celesta, Klavier und zwei Schlagwerker. In dieser Besetzung spielt auch Gruppo Montebello dieses Werk sowie «Das Lied von der Erde», von Henk Guittart, dem Dirigenten des Ensembles, deutlicher nach Art Schönbergs arrangiert, als es etwa die Fassung von Rainer Riehn aus dem Jahr 1983 tat. Wobei die durchlichtete Besetzung die Ohren putzt, beispielsweise in den Gesellenliedern die Nähe von «Wenn mein Schatz Hochzeit macht» zum «Leiermann» aus Schuberts «Winterreise» aufzeigt. Dass mit Ludwig Mittelhammer sich einer der vielversprechenden Schubert-Interpreten der jungen Generation der Gesellenlieder mit Verve annimmt, verstärkt diese Assoziation noch. Die beiden Solisten in «Das Lied von der Erde», Tenor Marcel Reijans und Bariton Willem de Vries, reichen an Mittelhammer nicht heran, wenngleich sie durchaus ausdrucks- und textsicher gestalten. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Personalien | Meldungen November 2019

JUBILARE

Ute Trekel-Burckhardt wurde im sächsischen Pirna geboren. Sie nahm zunächst Klavier- und Geigenunterricht und studierte nach dem Abitur Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. 1963 debütierte die Mezzosopranistin als Page in Strauss’ «Salome» in einer Inszenierung von Götz Friedrich an der Komischen Oper Berlin, der sie lange verbunden...

Starke Konkurrenz, edle Vielfalt

Sie heißen Dori oder Oronte, Merope oder Polifonte, Adelberto oder Ottone, und gemeinsam ist ihnen ein ziemlich übler Wohnort: Als Kriegsrecken, schmachtende Blaublüter oder Intriganten hausen sie dort, wo’s staubig ist – in Archiven und Bibliotheken. Manchmal dürfen sie ans Licht, wenn eine Rettungsaktion organisiert wird. In Innsbruck ist das Alltag, nicht nur...

Erotisches Durcheinander

In ihrer Reihe «Opern aus den Archiven der Welt» haben Werner Ehrhardt und sein Ensemble L’arte del mondo schon mehrere Bühnenwerke wieder ans Licht befördert, die im 18. Jahrhundert überaus beliebt waren, um dann vergessen zu werden. Nach «La scuola de’ gelosi» (2015) folgt mit dem Dramma giocoso «La fiera di Venezia» jetzt eine weitere Buffa von Antonio Salieri,...