Anspruchsvoll

Verdi: La forza del destino
Berlin | Deutsche Oper

Man wundert sich. Man wundert sich über all die Häme und den hasserfüllten Zorn, der Frank Castorfs Inszenierung von Giuseppe Verdis «La forza del destino» an der Deutschen Oper Berlin entgegenschlug, über den emotionalen Furor dieser Ablehnung, der wirkt wie ein eingeschweißter Reflex, wie ein intrikates Ressentiment gegen diesen Regisseur, sein Denken, womöglich sogar seine Herkunft.

Man wundert sich darüber, weil die Arbeit, die Castorf hier – übrigens weitgehend im Einklang mit der musikalischen Interpretation durch den Dirigenten Jordi Bernàcer – vorgelegt hat, weder provokativ noch langweilig, geschweige denn überflüssig ist. Im Gegenteil.

Diese Inszenierung ist eine intelligible Denkübung. Sie verklammert auf anschauliche wie anspruchsvolle Weise die Triebkräfte des geschichtlichen Fortschreitens, nimmt dabei Anleihen bei Walter Benjamin ebenso wie bei Curzio Malaparte, Victor Hugo und, nota bene, bei Heiner Müller. Ja, Castorf hat Müllers Drama «Der Auftrag» schon einmal benutzt, vor einer halben Ewigkeit, in Anklam. Aber der Text wird dadurch nicht weniger brauchbar. Hier, in Verdis Kriegs- und Schicksalsdrama (man wählte die vieraktige Mailänder Fassung von 1869), ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Fragwürdig

Sie liebkost jedes Wort, kostet Farbschattierungen ganz subtil aus, verströmt eine gebirgswassersprudelnde Klarheit. Der Gesang von Mari Eriksmoen ist auf jene natürliche Weise kunstvoll, dass selbst zu viel gesungenes und zu viel gehörtes Liedgut wie das «Ständchen» von Richard Strauss oder die «Widmung» von Robert Schumann die Unmittelbarkeit und den Zauber des...

Bittersüße Rache

Kinder, sagt man, können grausam sein. Sie quälen Tiere, streuen heimlich Reißzwecken auf Lehrerstühle, und manchmal vergreifen sie sich auch an ihresgleichen. Einfach so. Aus Lust, vielleicht aber schon mit dem Wissen darum, dass Macht eine geradezu magnetische Anziehungskraft besitzt. Die Szene, die sich während Ouvertüre und Introduktion zu Fromental Halévys...

Verschenkt

Als die Hamburger Musikhochschule im Sommer diese Oper inszenierte, gab es einen femininen Proteststurm: Falstaff hatte einigen Damen den Hintern getätschelt. So etwas gehe gar nicht, meinten Studentinnen, die offenbar nicht nur Schillers Ausführungen zur «Schaubühne als moralische Anstalt» falsch verstanden haben. Handelt das Stück, gleich anfangs verkündet von...