Offene Seelen

Was für ein Hörstück: Das Ulmer Theater veröffentlicht einen Mitschnitt von Tournemires «Légende de Tristan»

Opernwelt - Logo

Das Staunen bleibt, auch vier Jahre nach der späten Uraufführung des Stückes. Wie konnte Charles Tournemires «La Légende de Tristan» einfach so im Archiv verschwinden, unaufgeführt, fast vergessen? Der Traum eines Schatzfundes: Für Kay Metzger, den Intendanten des Ulmer Stadttheaters, muss er sich verwirklicht haben. Auf seine Initiative hin wurde das Werk ausgegraben, wie später die zweite lange ungespielte Oper Tournemires «Le petit pauvre d’Assise».

Sie wurde in der vergangenen Saison unter ähnlichem Erfolg ebenfalls in Ulm uraufgeführt und wie die «Légende de Tristan» bei der Kritikerumfrage der OPERNWELT zur Uraufführung des Jahres gekürt. Aufführungsmaterial wurde erstellt und eine Uraufführung fast hundert Jahre nach Vollendung der Partitur auf die Bühne gebracht. Kay Metzger übernahm selbst die Regie.

Nun bringt das Theater Ulm einen Mitschnitt der damaligen Produktion auf CD heraus, gemischt aus Aufnahmen, die während der Generalprobe und während der Premiere gemacht wurden. Dokumentiert ist die eigentümliche Kraft von Tournemires Musik: die Leuchtkraft seiner Holzbläsermischungen (Olivier Messiaen, sein Schüler, hat nicht nur hier viel von ihm gelernt), die rhythmische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Entführung ins Serail

Sklaverei scheint in «aufgeklärten» Gesellschaften überwunden. Doch ist sie näher, als wir meinen – nicht nur angesichts des Terrors eines «Islamischen Staates» oder in libyschen Flüchtlingslagern. Auch zu Rossinis Zeiten war sie näher, als es Italienerinnen und Italienern lieb sein konnte. Noch bis 1830 kaperten Piraten vor allem aus dem heutigen Algerien Schiffe...

Denkwürdig

Hat Lise Davidsen ein Opernwunder geschaffen mit ihrem Rollendebüt als Isolde? Ohne Zweifel. Aber für ein Opernwunder wie dieses braucht es mehr Zutaten als nur eine einzige phänomenale Sängerdarstellerin. Am Gran Teatre del Liceu in Barcelona sind ziemlich viele davon zusammengekommen bei «Tristan und Isolde». Schon in den ersten Takten wird deutlich: Dieser Abend...

Das Ende der Trutzburgen

Es gab einfachere Zeiten, um in Deutschland neue Opernhäuser zu bauen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa, als die Reparations-Milliarden nach dem deutsch-französischen Krieg die Wirtschaft des jungen Kaiserreichs in Schwung brachten; als sich neben dem Adel ein starkes, immer finanzkräftiger werdendes Bürgertum herausbildete, das nun seinerseits auf...