Offene Seelen
Das Staunen bleibt, auch vier Jahre nach der späten Uraufführung des Stückes. Wie konnte Charles Tournemires «La Légende de Tristan» einfach so im Archiv verschwinden, unaufgeführt, fast vergessen? Der Traum eines Schatzfundes: Für Kay Metzger, den Intendanten des Ulmer Stadttheaters, muss er sich verwirklicht haben. Auf seine Initiative hin wurde das Werk ausgegraben, wie später die zweite lange ungespielte Oper Tournemires «Le petit pauvre d’Assise».
Sie wurde in der vergangenen Saison unter ähnlichem Erfolg ebenfalls in Ulm uraufgeführt und wie die «Légende de Tristan» bei der Kritikerumfrage der OPERNWELT zur Uraufführung des Jahres gekürt. Aufführungsmaterial wurde erstellt und eine Uraufführung fast hundert Jahre nach Vollendung der Partitur auf die Bühne gebracht. Kay Metzger übernahm selbst die Regie.
Nun bringt das Theater Ulm einen Mitschnitt der damaligen Produktion auf CD heraus, gemischt aus Aufnahmen, die während der Generalprobe und während der Premiere gemacht wurden. Dokumentiert ist die eigentümliche Kraft von Tournemires Musik: die Leuchtkraft seiner Holzbläsermischungen (Olivier Messiaen, sein Schüler, hat nicht nur hier viel von ihm gelernt), die rhythmische ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Clemens Haustein
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