O Bild, du Bild, das mir fehlt
Aberglaube hat etwas für sich: Alexander von Zemlinsky, so schreibt sein Biograf Antony Beaumont, wählte für die Oper «Der Traumgörge» bewusst einen Titel mit dreizehn Buchstaben, um die Furcht seiner Kollegen vor dieser Zahl zu karikieren. Noch Arnold Schönberg – Zemlinskys Freund, Schwager und Schüler – nahm Aaron einen Buchstaben, um bei «Moses und Aron» auf zwölf zu kommen. Der Aberglaube sollte beiderseits bestätigt werden: Die 1907 vorgesehene Uraufführung des «Traumgörge» fand erst Jahrzehnte später statt, und der «Moses» blieb unvollendet.
Nimmt man noch die «Lulu» des manisch abergläubischen Alban Berg dazu, wäre eine Sammlung großer Opern ohne dritten Akt aus dem 20. Jahrhundert beisammen.
Zemlinsky reiht sich da nicht erst mit dem späten Fragment «Der König Kandaules» ein; schon der «Traumgörge» entzieht sich jeder konventionellen Dramaturgie. Der verträumte Mensch, der im Dorf des ersten Akts einer Zweckehe und im Dorf des zweiten Akts einem Pogrom entflieht, findet sich im ersten Dorf ohne Not als Anführer einer verdächtig friedlichen Welt wieder, deren Banalität die Schlussmusik zu unterlaufen scheint: Dem viergestrichenen a der Solovioline, das einem sphärischen ...
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