«Singen ist das Natürlichste der Welt»
Sie hat nie Zeit. Sie zu treffen gleicht einem logistischen Kunststück. In ihren Siebzigern ist sie umtriebiger denn je. Sieben Tage in der Woche ist das Haus gefüllt mit Gesangsschülern: «Was soll ich denn am Sonntag tun, wenn ich keine Menschen um mich habe? Unterrichten macht viel mehr Spaß als Sport oder Spazierengehen.
» (lacht) Nachwuchssängerinnen und Sänger, international bekannte Solisten, aber auch Amateure erhalten bei Anna Reynolds nicht nur Gesangsunterricht, sondern werden obendrein bekocht, manche übernachten sogar in dem großen alten Haus, das Reynolds mit ihrem Mann, dem Tenor Jean Cox, bewohnt. Sie hat viel weiterzugeben.
Ihre Karriere als Mezzosopranistin führte Anna Reynolds von ihrer Heimat England nach Italien und von dort in alle Welt. Zwischen 1958 und 1978 hat sie auf allen wichtigen Bühnen und unter den bedeutendsten Dirigenten der Zeit gesungen. Die mit «K» waren die wichtigsten für sie: Josef Krips, Rafael Kubelik, Paul Kletzki, Herbert von Karajan und – Karl Richter. Mit dem Münchner Bach-Spezialisten konnte sie am besten. Bei vielen seiner Einspielungen war sie mit von der Partie. «Karl Richter – den habe ich geliebt! Das war ein wunderbarer Mann. ...
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