Notwendige Erinnerung
Eine Nacht, die die Welt veränderte. Und eine Art Echtzeit-Oper. Die Stunden vor der Explosion der ersten Versuchsatombombe in Los Alamos, von innen betrachtet, nämlich aus der Sicht der Wissenschaftler und Militärs, die in einem Lager fieberhaft an der Realisierung ihres Projekts arbeiten. Die Texte zusammengestellt aus Originaldokumenten, kontrastiert mit Gedichten und philosophischen Erwägungen. Das, was John Adams und sein Librettist Peter Sellars am Reißbrett ausgetüftelt haben, legt die Gefahr der akademischen Abhandlung oder, schlimmer noch, des vertonten Besinnungsaufsatzes nahe.
Bei der deutschen Erstaufführung in Saarbrücken nichts von alledem. Stattdessen ein spannendes Kammerspiel, eine Situation von außerordentlicher Dramatik, gruppiert um eine zeitlose Menschheitsfrage: Trägt derjenige, der kraft seiner Kompetenz wissenschaftliche Entwicklungen ermöglicht, auch die Verantwortung für die Folgen?
Regisseur Immo Karaman und sein Bühnenbildner Johann Jörg schaffen dafür einen Raum, der einer Versuchsanordnung ähnelt: eine weitgehend leere Fläche, begrenzt durch Sicherheitszäune, gestaltet durch große Tische, die aus der Bühne herauswachsen und je nach Bedarf als Möbel, ...
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Dies ist der vierte Mitschnitt von Carl Orffs hybrider Vertonung der sophokleischen «Antigonae» in der deutschen Nachdichtung Friedrich Hölderlins. (Die anderen stammen von der Salzburger Uraufführung 1949, der Münchner Erstaufführung 1951 und der Stuttgarter Inszenierung Wieland Wagners 1956). Er entstand 1958 im Herkulessaal der Münchner Residenz mit Chor und...
Dichter kann ein Opernmonat kaum sein. Abseits der Metropolen kommt Franz Schreker endlich einmal wieder zu seinem Recht. Chemnitz holt den «Schmied von Gent» aus dem Vergessen, und Augsburg setzt sich für «Der ferne Klang» ein. Die musikalischen Ergebnisse rechtfertigen in beiden Fällen den Aufwand. In Berlin rivalisieren Staatsoper und Komische Oper in Sachen...
Die «Freischütz»-Version mit vertonten Sprechtexten, die Hector Berlioz 1841, den Gesetzen der Pariser Grand Opéra gehorchend, schrieb, litt unter Richard Wagners Verdikt, sie sei «entstellend und langweilig». Vereinzelte Versuche, sie im deutschen Sprachraum zu etablieren – zuletzt 1997 in Dortmund – fanden eine eher ungnädige Aufnahme.
Die aktuelle in Trier legt...
