Notwendige Erinnerung
Eine Nacht, die die Welt veränderte. Und eine Art Echtzeit-Oper. Die Stunden vor der Explosion der ersten Versuchsatombombe in Los Alamos, von innen betrachtet, nämlich aus der Sicht der Wissenschaftler und Militärs, die in einem Lager fieberhaft an der Realisierung ihres Projekts arbeiten. Die Texte zusammengestellt aus Originaldokumenten, kontrastiert mit Gedichten und philosophischen Erwägungen. Das, was John Adams und sein Librettist Peter Sellars am Reißbrett ausgetüftelt haben, legt die Gefahr der akademischen Abhandlung oder, schlimmer noch, des vertonten Besinnungsaufsatzes nahe.
Bei der deutschen Erstaufführung in Saarbrücken nichts von alledem. Stattdessen ein spannendes Kammerspiel, eine Situation von außerordentlicher Dramatik, gruppiert um eine zeitlose Menschheitsfrage: Trägt derjenige, der kraft seiner Kompetenz wissenschaftliche Entwicklungen ermöglicht, auch die Verantwortung für die Folgen?
Regisseur Immo Karaman und sein Bühnenbildner Johann Jörg schaffen dafür einen Raum, der einer Versuchsanordnung ähnelt: eine weitgehend leere Fläche, begrenzt durch Sicherheitszäune, gestaltet durch große Tische, die aus der Bühne herauswachsen und je nach Bedarf als Möbel, ...
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Es ist verlockend, die «Lieder eines Jahres» mit «Night and Dreams», dem vor Kurzem erschienenen Recital ihrer Fachkollegin Measha Brueggergosman, zu vergleichen. Während die Kanadierin über üppige stimmliche Mittel verfügt, mit ihnen aber nicht genug anfängt, ist es bei Christiane Karg genau andersherum: Das Farbspektrum ihres leichten Soprans ist noch begrenzt,...
In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen. Sie...
Zwei Opern standen im Mittelpunkt der 33. Karlsruher Händel-Festspiele: «Radamisto» als Wiederaufnahme vom Vorjahr und «Ariodante» in einer Neuinszenierung durch Peer Boysen. Musikalisch bewegten sich beide Aufführungen auf gleichermaßen hohem Niveau. Szenisch konnte Boysens routiniertes Rampentheater mit der streng historischen Bewegungschoreografie Sigrid...
