Notizen aus der Provinz

Erstaufnahmen von Johann Rudolf Zumsteegs «Geisterinsel» und Louis Spohrs «Alchymist»

Opernwelt - Logo

Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten Personalstil zu finden.

Den Ansprüchen, die durch die Vielfalt neuer Stoffmöglichkeiten, die Entwicklung des klassischen Sinfonieorchesters und auch die formale Entwicklung des Musiktheaters (etwa groß angelegter Finali und Ensembles) binnen eines Vierteljahrhunderts geradezu schwindelerregend gestiegen waren, konnte auch Johann Rudolf Zumsteeg nur eingeschränkt gerecht werden – obwohl der 1760 geborene Schwabe als Hofkomponist in Stuttgart einen der wichtigsten Posten der deutschen Theaterszene innehatte.

Den Maßstab einer «Zauberflöte» an Zumsteegs 1798 uraufgeführte «Geisterinsel»
anzulegen, wäre freilich verfehlt – auch wenn das Shakespeares «Sturm» nachempfundene Libretto und die Anlage der Charaktere  immer wieder die Rezeption dieser Oper durchscheinen lassen. Wer würde beispielsweise bei Prosperos Satz «Es weiche dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 28
von Jörg Königsdorf

Weitere Beiträge
Raus aus dem Sumpf

Liebhaber der Barockoper wissen um die delikaten Entstehungsumstände der Ballet-buffon «Platée», die Mitte des 18. Jahrhunderts im Théâtre de la Grande Ecurie das Kerzenlicht der Opernwelt erblickte. Zwischenzeitlich vergessen, fand das Stück in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Wiederentdeckung Rameaus (und des barocken Musik­theaters) neben...

Changierendes Spektrum

«Erst eine Kindheit, grenzenlos und ohne Verzicht und Ziel... Auf einmal Schrecken, Schranke, Schule, Frohne und Absturz in Versuchung und Verlust.» War es eine düstere Vorahnung, die den jungen Bernd Alos Zimmermann dazu brachte, Rainer Maria Rilkes «Imaginären Lebenslauf» zu vertonen? Die Klavierlieder des Komponisten, der 1970 freiwillig aus dem Leben schied,...

Entzauberte Macht

Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...