Mut zur Moderne
George Steel, Generaldirektor und Intendant der New York City Opera, traut sich was. Gleich drei anspruchsvolle Stücke der klassischen und zeitgenössischen Musiktheatermoderne hat er zum Vorzeigeprojekt des Frühjahrprogramms erklärt: «La Machine de l’Être», ein kurzes, von Antonin Artauds Zeichnungen inspiriertes Stück des New Yorker Komponisten und Avantgarde-Musikers John Zorn (Jahrgang 1953), und «Neither», ein auf einem Text Samuel Becketts basierender Einakter von Morton Feldman (1926-1987) aus dem Jahr 1977, rahmen Schönbergs gute, alte «Erwartung».
Regisseur Michael Counts besorgte nicht nur die optisch überwältigende Inszenierung – er arbeitet unter anderem mit Projektionen, umsichtig orchestrierten Bewegungsmustern und, nicht zu vergessen, Diskokugeln! –, er zeichnet auch für die eindrucksvolle Bühne verantwortlich, die Robert Wierzel in suggestives Licht tauchte. Die wenigen Längen des Abends (etwa minutenlanges Grillengezirpe vor den ersten Tönen der «Erwartung») ließen sich ohne Weiteres abstellen.
Zwei Gestalten eröffnen die Vorstellung: Eine spindeldürre, in Schwarz gewandete Frau mit reichlich Selbstbewusstsein und ein Mann, beide Anfang zwanzig, starren mit glasigem ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 78
von David Shengold
Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien...
Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...
Frau Poplavskaya, in Ihrer Berliner «Traviata» konnte man eine Menge ungewöhnlicher Details hören. Zum Beispiel haben Sie die Zeile «Croce e delizia al cor» im ersten Akt jedes Mal anders gesungen und damit die emotionale Entwicklungskurve Violettas markiert. Machen Sie so etwas spontan?
Ja, ich arbeite auf der Bühne immer spontan. Und ich freue mich, wenn ich dabei...
