Melancholischer Abgesang
Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien Homogenität zu suchen, wo Trennschärfe gefragt, und dunkles Raunen zu entdecken, wo clarté angebracht gewesen wäre (siehe OW 1/2011).
Im Vorspiel zu «Tristan und Isolde» erweckte er nun den Eindruck, als wolle er die Vorzeichen umkehren, Wagner mit Berlioz gegen den Strich bürsten: Wie Puzzlesteine setzt Runnicles die aufsteigende Linie der Celli und das folgende Holzbläser-Motiv zusammen, wie ein Signal ragt die Tritonus-Spannung des Tristan-Akkords aus der harmonischen Umgebung auf. Kein Schwärmen und Schwelgen, kein «wogender Schwall» und «tönender Schall» – der Metaphysik todessehnsüchtiger Liebe misstraut der schottische Dirigent, er leuchtet den Bau dieses Vorspiels lieber aus, als sich in ihm zu verlieren.
Doch bald geraten die Dinge in Fluss, beginnt ein lebendiger, wacher Dialog der Instrumente und der Stimmen, entsteht ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Albrecht Thiemann
Er hat es wieder einmal geschafft. Als Gerard Mortier in Madrid das Programm für die nächste Spielzeit des Teatro Real vorstellte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Kein Verdi, kein Rossini, kein einziger Puccini 2011/12 – das wollten die Liebhaber des Hauses nicht hinnehmen. Ein Teil der Printmedien sprang dem Protestchor bei: Das königliche Theater, so der...
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit...
«Es war einmal», schrieb er damals auf den blauen Vorhang. Die Kreide quietschte, während im Graben des Münchner Nationaltheaters das Es-Dur-Vorspiel heraufdämmerte – was orthodoxe Wagnerianer prompt erboste. Obgleich Robert Tear noch keinen Ton in diesem «Rheingold» gesungen hatte, galt er sogleich als Bösewicht. Zweieinhalb Stunden später, als der Brite die...
