Melancholischer Abgesang
Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien Homogenität zu suchen, wo Trennschärfe gefragt, und dunkles Raunen zu entdecken, wo clarté angebracht gewesen wäre (siehe OW 1/2011).
Im Vorspiel zu «Tristan und Isolde» erweckte er nun den Eindruck, als wolle er die Vorzeichen umkehren, Wagner mit Berlioz gegen den Strich bürsten: Wie Puzzlesteine setzt Runnicles die aufsteigende Linie der Celli und das folgende Holzbläser-Motiv zusammen, wie ein Signal ragt die Tritonus-Spannung des Tristan-Akkords aus der harmonischen Umgebung auf. Kein Schwärmen und Schwelgen, kein «wogender Schwall» und «tönender Schall» – der Metaphysik todessehnsüchtiger Liebe misstraut der schottische Dirigent, er leuchtet den Bau dieses Vorspiels lieber aus, als sich in ihm zu verlieren.
Doch bald geraten die Dinge in Fluss, beginnt ein lebendiger, wacher Dialog der Instrumente und der Stimmen, entsteht ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Albrecht Thiemann
Immo Karaman hatte in der letzten Spielzeit mit Brittens «Peter Grimes» sein Regiedebüt an der Düsseldorfer Rheinoper gegeben (siehe OW 11/2009). Jetzt setzte er sich dort mit Brittens aufwändigster Oper, dem 1951 uraufgeführten «Billy Budd», auseinander. Wie schon bei «Peter Grimes» verweigert Karaman jede vordergründige Aktualisierung, gar plakative Bebilderung...
Der Not gehorchend, aber alles andere als eine Notlösung: Weil der Orchestergraben keine 77 Musiker fasst, hat sich Hausherr Martin Schüler für das 1908 erbaute Jugendstiltheater einen «Ring des Nibelungen» einfallen lassen, der etwas anders ist als alle anderen Aufführungen und dennoch Wagners Vorstellungen insofern entspricht, als in Cottbus tatsächlich einmal...
Karol Szymanowskis Oper «Król Roger» (1926) ist ein extrem vielschichtiges Werk: Die drei Akte spiegeln die Symbiose byzantinischer, arabischer und griechisch-antiker Elemente im Sizilien König Rogers II. (1. Hälfte 12. Jh.). Die Handlung (sofern man bei dem oratorienhaft statischen Stück von Handlung sprechen kann) folgt den «Bakchen» des Euripides, der Antagonist...
