Gesangstragödin
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh schon begann sich für die 1921 in Mannheim als Tochter eines Schweizer Diplomaten und einer österreichischen Sängerin geborene Ingeborg Simon (wie sie mit bürgerlichem Namen hieß) der Weg zur Bühne abzuzeichnen: erste Talentförderung im Elternhaus, Ausbildung zur Schauspielerin durch eine Lehrerin des Wiener Reinhardt-Seminars, Debüt-Engagements 1937 in Linz und 1938 in Basel. Nach Gesangsstudien unter anderem in Mailand erfolgte 1941 am Stadttheater von Luzern der entscheidende Schritt der erst 19-Jährigen auf die Opernbühne, kurioserweise in der für die Sängerin völlig untypischen Alt-Partie der Czipra im «Zigeunerbaron» von Johann Strauß. Nach Kriegsende war Bern die nächste Station. Von dort führten Gastspiele sie nach Basel, wo Inge Borkh 1951 ihre erste große, für die weitere Karriere entscheidende Rolle fand: die ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Gerhart Asche
Je länger diese Aufführung dauert, desto stärker keimt ein Verdacht: Womöglich hat man sich bei Wagners «Tristan und Isolde» schon an zu viel gewöhnt. An Dirigenten, die ihr Heil im effektvollen Ertrinken und Versinken suchen und darob ihren Job als strenger Steuermann vergessen. Auch an Orchester, die willig und billig alles mit Emotion fluten, wo doch minutiöse...
«Es war einmal», schrieb er damals auf den blauen Vorhang. Die Kreide quietschte, während im Graben des Münchner Nationaltheaters das Es-Dur-Vorspiel heraufdämmerte – was orthodoxe Wagnerianer prompt erboste. Obgleich Robert Tear noch keinen Ton in diesem «Rheingold» gesungen hatte, galt er sogleich als Bösewicht. Zweieinhalb Stunden später, als der Brite die...
Den Coup de Théâtre hebt sich Regisseurin Mariame Clément für den Schluss auf: Marguerite meuchelt Mephisto, lässt auch Faust entseelt zurück, kommt vor zur Rampe und legt mit frivolem Lächeln Lippenrot auf. Dem zur Ironie neigenden Zuschauer kommt dabei unwillkürlich der Operettenschlager Walter und Willy Kollos in den Sinn: «Die Männer sind alle Verbrecher, ihr...
