Norbert Abels: Ohrentheater. Szenen einer Operngeschichte
Was ein Dramaturg ist und was er tut, kann an verschiedenen Theatern durchaus verschieden sein. Im schlimmsten Fall ist er ein gnadenlos überqualifizierter Sklave des Regisseurs: Zigarettenholer, Protokollant, Stichwortgeber. Am Ende soll er dann, möglichst billig (sprich: um Autorenrechte unbesorgt), Texte für das Programmheft zusammenstellen.
Im besten Fall ist er das mentale Zentrum eines Probenprozesses: besser informiert über das Stück als alle anderen, sensibel auf die Balance zwischen Musik und Szene achtend, sachgerecht jeden Probenknatsch schlichtend, Gravitationszentren des kreativen Werdens ortend und ausbauend. Am Ende darf er dann ein Programmbuch formen, das sofort zur Standardliteratur über ein Stück avanciert (und von weniger glücklichen Dramaturgen als Steinbruch benutzt wird). Es gibt Intendanten, die sich grundsätzlich schwache Dramaturgen ins Haus holen, weil sie selbst verkappte Dramaturgen sind. Und es gibt Generalmusikdirektoren, die nicht einmal den Namen des Dramaturgen wissen, weil sie glauben, es stehe sowieso alles in den Noten. Ein saures Amt, und heut’ zumal... Aber das muss nicht so sein.
Die Stückanalyse, die ein guter Dramaturg vornimmt, ...
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Schon 1955 wies Theodor W. Adorno in «Das Altern der Neuen Musik» auf die Gefahr dogmatischer Verfestigung des «Serialismus» in der Darmstädter Schule hin, die manchen, wie etwa Henze, als ästhetische Zwingburg des Avantgarde-Radikalismus erschien. Wobei die monolithische Wucht der Institution sicher überschätzt wurde. So einig waren sich damals Stockhausen, Nono...
Mit seiner achten Oper «Alzira» hatte Verdi kein Glück. Die Uraufführung am 12. August 1845 im Teatro San Carlo in Neapel war ein Achtungserfolg, die Premiere an der Mailänder Scala im Januar 1847 fiel durch, nach wenigen Jahren verschwand das Stück ganz von den Spielplänen. Selbst der Komponist soll sich später von seinem Werk distanziert und es einer Bekannten...
Das Timing war brillant: Nur zwei Tage vor den pompös inszenierten Eröffnungs-feierlichkeiten von Ruhr2010 feuerte Aalto-Theater-Intendant Stefan Soltesz einen öffentlichen Brandbrief ab, in dem er die drohenden Kürzungen für die Kultur bei gleichzeitiger Kulturhauptstadt-Verschwendungssucht anprangerte. Prägnanter kann man die Schieflage von Festivalitis und...
