Die zwei Gesichter der Moderne
Schon 1955 wies Theodor W. Adorno in «Das Altern der Neuen Musik» auf die Gefahr dogmatischer Verfestigung des «Serialismus» in der Darmstädter Schule hin, die manchen, wie etwa Henze, als ästhetische Zwingburg des Avantgarde-Radikalismus erschien. Wobei die monolithische Wucht der Institution sicher überschätzt wurde. So einig waren sich damals Stockhausen, Nono und Boulez nämlich keineswegs. Heute sind Nono, Stockhausen, Cage, Messiaen, Ligeti, Kagel, Berio und Pousseur tot.
Von den Granden der Nachkriegsmoderne sind noch Pierre Boulez, Elliott Carter, Klaus Huber und Dieter Schnebel nicht nur am Leben, sondern höchst vif. Boulez wird am 26. März fünfundachtzig, Schnebel am 14. März achtzig.
Doch nicht nur aus biografischen Gründen stellt sich die Frage nach der «wahren» Musik der Gegenwart, mindestens so alt wie einst die nach der «Zukunftsmusik», immer wieder neu: Was heißt Moderne, Avantgarde, gar «Fortschritt»? Dieter Schnebel hat sie paradox so beanwortet: «Das Ziel weicht in die Zukunft zurück, je mehr man sich ihm nähert; es zu erreichen – wohl auf vielen Umwegen – ist (eine) Kunst.» Unverkennbar ist dabei Schnebels Bezug auf Walter Benjamins rätselhaften Text vom «Angelus ...
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Im Jahr 2005 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift «Wagnerspectrum». Was damals angekündigt wurde, hat sich in den zehn bislang erschienenen Heften zweifellos bewahrheitet: «Wagnerspectrum» ist zu einem Forum für die interdisziplinäre und internationale Wagner-Forschung geworden. Zum zentralen Forum mithin, dessen Sachbezogenheit und Themenbreite eine Conditio...
Gibt es in «Carmen» noch etwas zu entdecken? Ja, sagt Kristina Wuss mit ihrer Magdeburger Inszenierung, ohne deswegen zu plakativen Vereinfachungen, gar zum aktualisierenden Holzhammer zu greifen. Selten hat man eine «Carmen» gesehen, die so genau Milieu und Atmosphäre der Begegnung von Carmen und Don José ausleuchtet. Lukas Nolls Drehbühne schafft mit ineinander...
Zu DDR-Zeiten war die Sächsische Staatskapelle geradezu ein Mythos. Karajan kam, Kleiber kam. VEB Deutsche Schallplatten und EMI produzierten billig, aber hochwertig an der Elbe. Der dunkle, deutsche Klang; die von Wagner sogenannte «Zauberharfe»; die 450 Jahre umspannende Tradition usw. usw. Nach der Wende hat das Orchester sein Niveau gehalten, was vor allem dann...
