Kulturhauptstadtwürdig
Das Timing war brillant: Nur zwei Tage vor den pompös inszenierten Eröffnungs-feierlichkeiten von Ruhr2010 feuerte Aalto-Theater-Intendant Stefan Soltesz einen öffentlichen Brandbrief ab, in dem er die drohenden Kürzungen für die Kultur bei gleichzeitiger Kulturhauptstadt-Verschwendungssucht anprangerte. Prägnanter kann man die Schieflage von Festivalitis und Aushungerung der gewachsenen Kultur kaum aufzeigen. Soltesz kann sich das Störfeuer leisten, denn von allen bedrohten Theatern der Region steht seines am besten da.
Die Aalto-Oper kann eine durchgehende Erfolgsgeschichte nachweisen und ist zu 90 Prozent ausgelastet.
Nun hat der streitbare Intendant gewagt, als erste Premiere des Festjahres ein Werk auf den Spielplan zu setzen, das nicht gerade als Kassenschlager gilt: Bergs «Lulu». 1953 ist die deutsche Erstaufführung in Essen über die Bühne gegangen, Grund genug, sie in der damals gespielten zweiaktigen Fragmentfassung jetzt neu zu zeigen. Regisseur ist Dietrich Hilsdorf, den mit dem Aalto-Theater eine mehr als zwanzigjährige Geschichte verbindet, die einst mit Skandalen gepflastert war. Sein Blick ist distanzierter geworden: Hilsdorf setzt heute auf Ausnüchterung statt ...
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Im Jahr 2005 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift «Wagnerspectrum». Was damals angekündigt wurde, hat sich in den zehn bislang erschienenen Heften zweifellos bewahrheitet: «Wagnerspectrum» ist zu einem Forum für die interdisziplinäre und internationale Wagner-Forschung geworden. Zum zentralen Forum mithin, dessen Sachbezogenheit und Themenbreite eine Conditio...
Von allen großen Opern, die das Etikett «Komödie» tragen, dürfte Gaetano Donizettis «Don Pasquale» die melancholischste sein. Gefährlich dünn ist in dem 1843 uraufgeführten Werk der Firnis der Lustigkeit; am Ende bleibt von dem Versuch des alten Mannes, Leben und Jugend nachzuholen, nur ein bitteres «zu spät». Im Opernhaus merkt man davon leider meist nichts: Statt...
Der Anfang ist apart. Während die Musik Takt für Takt zur Besinnung (und richtigen Intonation) gelangt, erleben wir auf der Bühne die Vision einer Vision. Sie spielt in einem opulenten Arbeitszimmer, das den Blick panoramagleich freigibt auf eine Landschaft aus schneebedeckten Bergen. Über allen Gipfeln Ruh’, vitalisierte Luft, Obersalzberg, das Gefühl von...
