Nomen est omen
Zwei Jahrhunderte schlummerte die Partitur in einem Zürcher Archiv. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde das von Philipp Christoph Kayser (1755-1823) auf ein Goethe-Libretto komponierte Singspiel «Scherz, List und Rache» im Liebhabertheater von Schloss Kochberg in Thüringen erstmals aufgeführt ‒ allerdings radikal gekürzt und in reduzierter Besetzung. Und man fragt sich, warum es noch einmal ein Vierteljahrhundert dauerte, bis das Werk, Ende November im Leverkusener «Erholungshaus», in der originalen Klanggestalt, mit wenigen Strichen auf die Bühne kam.
Die Antwort liegt bei Werner Ehrhardt und seinem Orchester l’arte del mondo. Der ehemalige Konzertmeister und Gründer des Barockensembles Concerto Köln hat sich 2004 im Streit von seinem Orchester getrennt und eine neue Formation aufgebaut. Der Name l’arte del mondo klingt ein wenig hochtrabend, verweist aber auf ein «globalisiertes» Musikverständnis. Man will, zumal in den Opernprojekten, das Fremde direkt miteinbeziehen. Die Ergebnisse sind verblüffend. In Christoph Willibald Glucks Opernserenade «Le Cinesi» etwa wirkte das Ensemble der China National Peking Opera mit, für Mozarts «Entführung aus dem Serail» integrierte man das ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Struck-Schloen
JUBILARE
Nicholas McGegan erhielt seine Ausbildung in Cambridge und Oxford, anschließend lehrte er am Royal College in London. Von 1991-2011 prägte er als Künstlerischer Leiter das Profil der Händel-Festspiele Göttingen. McGegan stand am Pult der Philharmoniker von New York, Los Angeles und Hongkong, der Symphonieorchester von Chicago, Milwaukee, St. Louis,...
Als identitätsstiftendes «Friedenswerk» war gedacht, was einige Künstler unter dem Eindruck der Verheerungen, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hatte, 1920 initiierten: die Salzburger Festspiele. Menschen aus aller Welt sollten in der Mitte Europas, fern der Metropolen, zusammenkommen, um in der Anschauung großer Kunst neue Wege der (Selbst-)Verständigung über...
Die Bootsfahrt den Dschungelfluss hinauf, der kindlich-vorfreudige Divo, das linkische Betreten der Bühne, die spontane Arie, dort, im Opernhaus von Manaus, wo einst Caruso gesungen haben soll: Mit dem verzitterten, bislang unbekannten Privatvideo verschießt der Film schon in den ersten Minuten sein wertvollstes Pulver. Neues erzählt «Pavarotti» sonst kaum. Die...
