Nomen est omen
Zwei Jahrhunderte schlummerte die Partitur in einem Zürcher Archiv. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde das von Philipp Christoph Kayser (1755-1823) auf ein Goethe-Libretto komponierte Singspiel «Scherz, List und Rache» im Liebhabertheater von Schloss Kochberg in Thüringen erstmals aufgeführt ‒ allerdings radikal gekürzt und in reduzierter Besetzung. Und man fragt sich, warum es noch einmal ein Vierteljahrhundert dauerte, bis das Werk, Ende November im Leverkusener «Erholungshaus», in der originalen Klanggestalt, mit wenigen Strichen auf die Bühne kam.
Die Antwort liegt bei Werner Ehrhardt und seinem Orchester l’arte del mondo. Der ehemalige Konzertmeister und Gründer des Barockensembles Concerto Köln hat sich 2004 im Streit von seinem Orchester getrennt und eine neue Formation aufgebaut. Der Name l’arte del mondo klingt ein wenig hochtrabend, verweist aber auf ein «globalisiertes» Musikverständnis. Man will, zumal in den Opernprojekten, das Fremde direkt miteinbeziehen. Die Ergebnisse sind verblüffend. In Christoph Willibald Glucks Opernserenade «Le Cinesi» etwa wirkte das Ensemble der China National Peking Opera mit, für Mozarts «Entführung aus dem Serail» integrierte man das ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Struck-Schloen
Hans Falladas 1937 veröffentlichter Roman «Wolf unter Wölfen» spielt im Inflationsjahr 1923. Ein Buch der Unruhe, das in vielen Strängen vom Chaos jener Zeit erzählt. John von Düffel hat den Stoff zu einem Libretto verdichtet, Søren Nils Eichberg im Auftrag des Koblenzer Theaters die Musik dazu geschrieben. Vor zwei Jahren wurde am gleichen Ort Eichbergs...
Der Anlass verlangte nach dem Einsatz aller Mittel: die Hochzeit von Ludwig XIV. mit Maria Teresa von Spanien. Also wurde bei Francesco Cavalli eine spektakuläre Oper in Auftrag gegeben, mit allen Effekten, die die Bühnentechnik 1662 hergab. Uraufgeführt wurde «Ercole Amante» in einem für die Vorstellung extra errichteten Saal der Pariser Tuileries, wo die Musik...
Das Bild passt zur Musik. Vor dem Spiegel, im Totenhemd, die kahle Sängerin, ein Gespenst: Marie. Hinter ihr Paul, der Witwer, «in höchster Erregung» (Regieanweisung), aber noch höherer Verwirrung, dem Tod ins Auge blickend: Einen Tritonus hinauf springt sein Ruf, vom zweigestrichenen es zum a, aber er gilt der falschen Frau: «Marietta». Die abfallende kleine...
