Hoffnung und Hochbetrieb
Als identitätsstiftendes «Friedenswerk» war gedacht, was einige Künstler unter dem Eindruck der Verheerungen, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hatte, 1920 initiierten: die Salzburger Festspiele. Menschen aus aller Welt sollten in der Mitte Europas, fern der Metropolen, zusammenkommen, um in der Anschauung großer Kunst neue Wege der (Selbst-)Verständigung über Grundfragen des Lebens zu erproben. Hundert Jahre später ist die alte Erzählung von der heilenden Wirkung der Musik und des Theaters wieder besonders populär.
Unter dem Motto «Pax» steht etwa die Ouverture spirituelle der Jubiläumssaison, jene Konzertreihe, die geistliche Werke der Gegenwart und Vergangenheit präsentiert.
Hoffnung auf kontemplatives Innehalten, auf Dialog, Ein- und Umkehr – das ist der eine Pol. Der andere: Aus dem idealistischen Impuls hat sich das größte Klassik-Festival der Welt entwickelt – ein gewaltiger Betrieb, der 2020 vom 18. Juli bis 30. August weit mehr als 200 Veranstaltungen stemmen wird. Knapp 62 Millionen Euro umfasste das Budget zuletzt (2019), rund 240 000 Karten waren aufgelegt, zu Preisen zwischen 5 und 440 Euro. Bis zu 945 Euro muss hinblättern, wer die von den Osterfestspielen 2018 ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Albrecht Thiemann
Als im Jahr 1876 das «Rheingold» zum ersten Mal in Bayreuth erklang, ließ Richard Wagner das tiefe Es des Beginns von einer Orgel unterstützen. Im Festspielhaus gibt es sie heute nicht mehr, auch in der Partitur ist sie nicht notiert. Wahrscheinlich waren Wagner die Kontrabässe auf den zeitgenössischen Darmsaiten schlicht zu leise, wie er etwa auch die Bratschen...
Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...
Die Bühne dreht sich – wie jene Schraube, die im Titel rotiert. Mit jeder Windung, jedem «Turn of the Screw» erhöhen sich in Benjamin Brittens Kammeroper Druck und Beklemmung. Für die Akteure wie für die Zuschauer. Regisseur Peter Carp und Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer entwickeln über rund zwei Stunden im Großen Haus des Theaters Freiburg einen Spannungsbogen wie...
