nomen est omen (Langfassung)
Vom Sommer 1787 bis zum Frühjahr des Folgejahres weilte Johann Wolfgang Goethe in Rom ‒ im «stillen Gedanken an ein allmähliches Loslösen» von der engen Weimarer Heimat und darauf bedacht, durch die Begegnung mit der Antike neue Inspiration für sein stockendes Schaffen zu bekommen.
Dennoch war der Dichter keineswegs allein, sondern umgeben von Kunstfreunden, zu denen sich im November 1787 noch der Komponist Philipp Christoph Kayser gesellte ‒ ein Jugendfreund aus Frankfurt, den Goethe auf eigene Kosten mit der Extrapost von Zürich anreisen ließ, um ein gemeinsames und ziemlich langwieriges Musiktheater-Projekt endlich unter südlichem Himmel zum Abschluss zu bringen. Kayser (1755-1823) war der Sohn eines Frankfurter Organisten und ein versierter Lied- und Bühnenkomponist mit gutem Gespür für die internationalen Wandlungen des musikalischen Zeitstils, den er in seinen Werken aufgriff. Ein sonderlich innovativer Geist war er wohl nicht, wenn man Goethes Beschreibung in der «Italienischen Reise» richtig deutet: «Er ist sehr brav, verständig, ordentlich, gesetzt, in seiner Kunst so fest und sicher, als man sein kann, einer von denen Menschen, durch deren Nähe man gesunder wird.»
Weil ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2020
Rubrik: , Seite 111
von
Sie wurden geliebt, sie wurden gefeiert. Sie erhielten die denkbar höchsten Gagen, sie waren die Helden der Höfe. In ihnen sah man das Ideal der Reinheit bewahrt – nota bene: die Reinheit der Kunst. Und jeder, der sein Herz an die Bühnenwerke des Barock verloren hat, kennt ihre berühmtesten Vertreter: Farinelli, Senesino, Caffarelli, Carestini, Nicolini. Doch nur...
Wie der «kleine Tod» klingt? Nicht als Naturlaut notabene, sondern als musikästhetisches Konstrukt? Richard Strauss bemühte dafür hochfliegende Streicher und Hörner, Tremoli, Holzbläsertriller und Harfenglissandi. Bernhard Lang greift in seinem Erotikkarussell «Der Reigen» nach Arthur Schnitzler auf eine «spermatozoische Spezialstruktur» zurück, «bestehend aus...
Am schönsten klingt das Wort im Italienischen: «Coraggio!», das ist wie eine leidenschaftliche Aufforderung zum Tanz, zum sinnlich befreiten Vergnügen. Vergleichsweise distinguiert gibt sich dagegen das englische «courage»; eine Spur eleganter erscheint das französische Pendant in der gleichen Schreibweise. Während den Gelehrten aller Nationen, platonisch...
