Noblesse oblige
Komponierende Herrscher wie beispielsweise der deutsche Kaiser Leopold I. oder der kriegs- wie kunstlustige Preußenkönig Friedrich II. waren partout keine Ausnahmen. Locker übertroffen aber werden beide Potentaten von Philippe d’Orléans (1674–1723), dem Neffen Ludwigs XIV., dessen Oper «Suite d’Armide ou Jérusalem délivree» das Centre de musique baroque de Versailles nun, nach mehr als drei Jahrhunderten, glückhaft der Vergessenheit entrissen hat. Philippe, der 1715, nach dem Tod des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. die Regentschaft für den minderjährigen Louis XV.
übernahm, spielte eine federführende Rolle bei der kulturellen Neuorientierung Frankreichs am Übergang vom Barock zur Aufklärung. Er war ein Mäzen der Künste, sang, spielte mehrere Instrumente und komponierte – eine Beschäftigung, die man bis vor Kurzem als Kuriosität abtat. Seine «Armide» entpuppt sich als ein veritables, nein: nachgerade überwältigendes Meisterwerk, das nicht nur Lullys letzte Tragédie en musique aus dem Jahr 1686 über denselben Stoff aus Tassos Epos «Das befreite Jerusalem» fortschreibt, sondern die Form neu belebt.
Die Gründe des Vergessens liegen auf der Hand. Das vermutlich im Jahr 1704 entstandene Werk ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Uwe Schweikert
Wer Neapel verstehen, seinen Duft einsaugen, sein genuines Flair erspüren will, sollte Elena Ferrante lesen. In ihren Romanen, insbesondere in der vierbändigen, dem literarischen Realismus verpflichteten «Neapolitanischen Saga», entwirft die pseudonyme italienische Autorin ein Panorama der süditalienischen Stadt, dessen Vielfarbigkeit schlichtweg betört; auch die...
Maurice Ravel hat für das Musiktheater nur zwei Einakter komponiert: «L’Heure espagnole», eine erotische Komödie von 1911, und das 1925 uraufgeführte Märchenstück «L’Enfant et les sortilèges». Am Pfalztheater Kaiserslautern sind beide Werke an einem Doppelabend zu erleben. Anja Kühnholds «L’Enfant»-Inszenierung beginnt inmitten eines absurden mathematischen...
Als Antwort auf die Frage nach dem beliebtesten Barockkomponisten nennen fast alle einschlägigen Auflistungen an erster Stelle Johann Sebastian Bach. Mit gehörigem Abstand folgen dann für gewöhnlich entweder Georg Friedrich Händel oder Antonio Vivaldi, außerhalb der Top 10 findet sich irgendwo auch der Name Georg Philipp Telemann. Christoph Graupner taucht in solch...
