Genius des Biedermeier

Die Oper Leipzig würdigt Albert Lortzing mit einem opulenten Festival. Im Mittelpunkt stehen «Der Waffenschmied» und «Regina»

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Als Herzog Bernhard, im Bruderkrieg 1866 törichterweise mit Habsburg verbündet, nach der Niederlage partout nicht weichen wollte, zog ein preußischer Spielmannszug vor das Meininger Schloss und intonierte «Sonst spielt’ ich mit Szepter, mit Krone und Stern»; der Landesvater kannte seinen Lortzing – und trat zurück. Auch Bernhards monumentaler Gegenspieler Bismarck war bestens vertraut mit «Zar und Zimmermann»; ihm sollen bei der gleichen Arie die Tränen gelaufen sein: «O selig, o selig, ein Kind noch zu sein …»

Doch hielten es nicht nur die Gebildeten mit Lortzing.

Seine oft als Spielopern bezeichneten, ergo degradierten Bühnenwerke sind Phänomene einer klassenübergreifenden Kunst. Sie sind einzigartig in ihrer poetischen Anmutung und kritischen Zumutung; kein zweiter Komponist hat im 19. Jahrhundert ein Lebenswerk geschaffen, das ähnlich deutlich gesellschaftliche und realpolitische Zustände thematisiert. Lortzing ist Realist, dann erst Romantiker und ganz zum Schluss auch ein wenig Biedermann. Herz und Gemüt, auf die seine Stücke vorrangig abzielen, sind keine Synonyme für Geistlosigkeit. Sie waren die Garanten für Publikumserfolge, wie sie in Deutschland zuvor nur die ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Volker Tarnow

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Gerade noch gut gegangen

Bei der Premiere saß die Claque gut hörbar links im Parkett. Dabei wäre sie gar nicht nötig gewesen, denn in Bern ereignete sich ein kleines Theaterwunder. Auf dem Spielplan stand Verdis «La forza del destino», keine triviale Aufgabe. Am Werk war ein Kreativ-Team um Regisseurin Julia Lwowski. Wer die aus dem Kollektiv «Hauen und Stechen» – was ja gut zu einer...