Rausch der Verwandlung
Ein Märchen ist ein Märchen. In diesem besonderen Fall zwar eines für Erwachsene, aber doch für solche, die im Innersten Kinder geblieben sind. Wo in der Fabel für die echten Kleinen die Prinzessin und der Prinz sich suchen und nach einigen Prüfungen dann auch finden, sind es hier die Kaiserin und der Kaiser, die als namenlose Idealgestalten traumverloren über die Bühne schreiten. Auch diese beiden hehren Wesen verfehlen sich zunächst, auch sie durchlaufen einige Prüfungen.
Denn die Dame aus himmlisch hohen Sphären kann die schönste, vornehmste Aufgabe nicht erfüllen, die auch einer Kaiserin gebührt. Sie kann keine Mutter werden, sie kann keine Prinzessinnen und Prinzen hervorbringen. In Hugo von Hofmannsthals Sprache des Märchens heißt das: Sie wirft keinen Schatten. Eine einfache Menschenfrau, namenlos wie die Kaiserin, allerdings könnte ihr helfen. Sie trägt schwer an der Last der Lust, sie will ihrem braven Mann partout keine Kinder schenken, die der sich aber sehnlichst wünscht. Die vier Schicksale sind untrennbar miteinander verknüpft. Das hohe Paar kann nicht ohne das niedere existieren. Und so versucht die Amme, aus der doppelten Not ihr Kapital zu schlagen: Sie verspricht ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von
Klangtüftler
Kein Zweifel, er ist ein Mann mit vielen Talenten. Torstein Aagaard-Nilsen hat nicht nur Trompete, Musiktheorie und Komposition studiert, sondern zudem Mathematik. Das alles verknüpft er in seinen Werken auch für das Musiktheater zu einem spannenden Ganzen. In Meiningen kommt nun die Ibsen-Vertonung «Gespenster» heraus. Wir fahren hin
Stimmakrobatin
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Ach, wie einfach wäre die Angelegenheit, würde man sich an das zugegeben kühne Theorem Markus Gabriels halten und behaupten, dass das, was allgemein mit dem Begriff «Welt» umschrieben wird, im Grunde gar nicht existiere. Nun ist es aber leider erstens nicht so, dass man diese Welt, verstanden als Ensemble stofflicher Gegenstände, ignorieren kann, und zum zweiten...
Eine Collage war George Bizets «Carmen» im Grunde von Anbeginn an. Ob Konstruktionsprinzip oder Konstruktionsfehler, darüber lässt sich bis in die Gegenwart trefflich streiten. Wobei deren Ästhetik Ersterem ja durchaus zugetan ist. Die durcherzählte, stilistisch homogene Geschichte hat in der Spätmoderne kaum noch Konjunktur, und das abgesehen davon, dass es im...
