Hypnotisch
Als Charpentiers «David et Jonathas» im Jahr 1688 am Pariser Collège Louis-le-Grand uraufgeführt wurde, stand die Musik nicht allein für sich: Zwischen die fünf Akte schoben die Zöglinge der (als Lycée bis heute renommierten) Jesuitenschule eine lateinische Tragödie namens «Saül» über den ersten König Israels und sein verlorenes Kriegsglück im Kampf gegen die Philister ein.
Was zu Teilen erklärt, warum Charpentiers Tragédie biblique, komponiert ebenfalls auf das Libretto eines Jesuitenpaters, die dramatischen Möglichkeiten nicht vollständig ausschöpft, die der Stoff um die Rivalität zwischen Saul und David zum einen, die Freundschaft zwischen David und Sauls Sohn Jonathan zum anderen böte, eigentlich erst aus dem Tod Jonathans am Ende den echt theatralen Funken schlägt.
Statt der inzwischen verlorenen lateinischen Tragödie sind an der Opéra national de Lorraine in Nancy nun Zwischentexte von Wilfried N’Sondé zu hören. In den Mund gelegt hat sie der französische Autor kongolesischer Abstammung der Schauspielerin Hélène Patarot, die als «Reine des oubliés», als «Königin der Vergessenen», an all die Kriegstoten erinnern soll, die auch in der biblischen Vorlage des Stoffs höchstens am ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Michael Stallknecht
Mein Bild ist meine Bühne», sagte der Maler William Hogarth einmal über sich selbst. Sprach’s und setzte es in Kunst um: Zwischen 1733 und 1735 widmete er acht gesellschaftskritische Gemälde und Stiche «A Rake’s Progress», dem Werdegang eines Wüstlings – und inspirierte gut 200 Jahre später Igor Strawinsky und seine Librettisten zu einer fast gleichnamigen Oper...
Der Dichter singt, singt in höchsten und in tiefsten Tönen, wort- wie bildmächtig, am Rande des Erlaubten und in einem Rhythmus, der per se alle Bedenken, sollten sie überhaupt bestehen, vom Tische fegt. «O seiden Härelein! O Rosen Wängelein! Corallen Lippelein! O Perlen Zänelein! O Honig Züngelein! O Perlemutter Oehrelein! O helffenbeinen Hälßelein! O Pomerantzen...
Herr Kohlhepp, war der Salzburger Manolios in Bohuslav Martinůs Oper «The Greek Passion» ein Schritt in Richtung neues Rollen-Biotop? Weil man nicht mehr so edelmütig bis passiv sein muss wie als Don Ottavio oder Tamino?
Ein Rollen-Image, das man vielleicht hat, sucht man sich nicht unbedingt selbst. Man hat ein gewisses Timbre, also werden einem automatisch...
