Nichts ist unmöglich, Thikwa!
Der Weg zum Zauberschloss führt über einen historisch bedeutsamen Ort. Jeder West-Berliner kennt die U-Bahn-Station «Platz der Luftbrücke» in Kreuzberg, schließlich erinnert sie an jene goldenen Zeiten, als die Vereinigten Staaten von Amerika noch ein treuer Bündnispartner waren. Unzählige «Rosinenbomber» versorgten damals die Bevölkerung im «besseren» Teil der gespaltenen Stadt. So etwas vergisst man nicht.
200 Meter sind es vom Untergrund zum Theater Thikwa in der Fidicinstraße; dritter Hinterhof, ein unscheinbares Gebäude, umgeben von Werkstätten, als Ort der Kunst kaum auszumachen. Aber extrem wichtig. Ein «Bühnenwunder» hat eine lokale Tageszeitung das dort ansässige Theater einmal genannt – und das zu Recht. Hier stehen Künstlerinnen und Künstler mit und ohne geistige Einschränkung zusammen auf der Bühne, in einem professionellen Rahmen, in verschiedenen Genres: Tanz, Schauspiel, Musiktheater, für diesen locus amoenus, dessen Basis eine Werkstatt für Theater und Kunst ist, gilt, was einst eine Automarke zum Werbeslogan machte: Nichts ist unmöglich, Thikwa. Der Begriff leitet sich aus dem Hebräischen her, er bedeutet «Hoffnung». An diesem bitterkalten Januarabend liegt diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Jürgen Otten
Zu den ersten c-Moll-Drohgebärden im Orchestervorspiel kommt eine bitter schluchzende Arlecchino-Figur auf die Bühne. Rigoletto? Nein. Monterone ist’s, der den Hofnarren und seinen Herzog ob ihrer Verbrechen und zynischen Haltung wenig später verfluchen wird. Mitleid erfährt er auch jetzt nicht, im Gegenteil. Sardonisches Gelächter erntet der Graf von Rigoletto,...
Verräterische Klarinette! In Tschaikowskys «Eugen Onegin» fasst sie unausgesprochene, wo nicht gar unbewusste Gefühle in murmelnde, plaudernde, allzu offenherzige Töne. Als Onegin in der Schlussnummer des ersten Akts dieser Lyrischen Szenen Tatjanas soeben per Brief empfangenen Liebesantrag in einer Arie zurückweist, die die Form eines langen – manche sagen:...
Lange her, dass man in Franco Zeffirellis Verfilmung von Verdis «Traviata» nicht nur hörte, sondern sah, dass Violetta Valérys trauriges Ende in keinem Moment dieser Oper abzuwenden sein wird. Viele Inszenierungen greifen das zu Recht auf und bebildern schon die Ouvertüre entsprechend. Doch keineswegs immer so eindrucksvoll und originell, wie es nun am Stadttheater...
