Ihr Wesen ist Flexibilität
Oscar Bie sah in der Oper das «unmögliche Kunstwerk», Alexander Kluge das «Kraftwerk der Gefühle». Für Reinhard Strohm dagegen ist Mobilität und Bewegung das Wesen der Oper – in der mäandernden Entwicklung der Gattung, in der Wanderung ihrer Sujets und Formen, nicht zuletzt in der Internationalisierung ihrer Produktion wie in den Lebenswegen ihrer Darsteller. Dabei konzentriert sich Strohm in den 26 Kapiteln seines neuen Buchs «Oper in Bewegung» weitestgehend auf das italienische Dramma per musica von seinen Anfängen um 1600 bis zu Rossini und Donizetti.
Nur auf Purcells «King Arthur», auf Rameaus Ballettoper «Les Indes galantes» und auf die deutsche Spätaufklärung fallen Seitenblicke.
Bestimmt waren die so elegant geschriebenen wie leicht zu lesenden und doch stets prall mit Information gefüllten Texte ursprünglich teils als Essays für Theater-Programmhefte, teils als Vorträge für Symposien gedacht. Die Auswahl der Werke sei «subjektiv», bekennt Strohm, ist aber mit ihrem Schwerpunkt auf Vivaldi, Händel und Gluck doch repräsentativ. Dabei wechseln die Fragestellungen wie die Perspektiven und öffnen sich ganz unterschiedliche Zugänge. Prägnant vermag er die Leistung der Musik etwa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2026
Rubrik: Medien, Seite 43
von Uwe Schweikert
Sklaverei scheint in «aufgeklärten» Gesellschaften überwunden. Doch ist sie näher, als wir meinen – nicht nur angesichts des Terrors eines «Islamischen Staates» oder in libyschen Flüchtlingslagern. Auch zu Rossinis Zeiten war sie näher, als es Italienerinnen und Italienern lieb sein konnte. Noch bis 1830 kaperten Piraten vor allem aus dem heutigen Algerien Schiffe...
Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser...
Melancholie, mon amour! So flüstert man ins Dunkel, wenn das Solo-Violoncello zu Beginn der «Elegie» seinen traurigen Gesang anstimmt, so als sei es die Verkörperung eines großen (schönen?) Schmerzes in einer kleinen, verwundeten Seele, und wenn danach Hélène Guilmette in eine der fiktiven Frauenfiguren Massenets hineinschlüpft und die tristen Verse von Louis...
