Ihr Wesen ist Flexibilität
Oscar Bie sah in der Oper das «unmögliche Kunstwerk», Alexander Kluge das «Kraftwerk der Gefühle». Für Reinhard Strohm dagegen ist Mobilität und Bewegung das Wesen der Oper – in der mäandernden Entwicklung der Gattung, in der Wanderung ihrer Sujets und Formen, nicht zuletzt in der Internationalisierung ihrer Produktion wie in den Lebenswegen ihrer Darsteller. Dabei konzentriert sich Strohm in den 26 Kapiteln seines neuen Buchs «Oper in Bewegung» weitestgehend auf das italienische Dramma per musica von seinen Anfängen um 1600 bis zu Rossini und Donizetti.
Nur auf Purcells «King Arthur», auf Rameaus Ballettoper «Les Indes galantes» und auf die deutsche Spätaufklärung fallen Seitenblicke.
Bestimmt waren die so elegant geschriebenen wie leicht zu lesenden und doch stets prall mit Information gefüllten Texte ursprünglich teils als Essays für Theater-Programmhefte, teils als Vorträge für Symposien gedacht. Die Auswahl der Werke sei «subjektiv», bekennt Strohm, ist aber mit ihrem Schwerpunkt auf Vivaldi, Händel und Gluck doch repräsentativ. Dabei wechseln die Fragestellungen wie die Perspektiven und öffnen sich ganz unterschiedliche Zugänge. Prägnant vermag er die Leistung der Musik etwa ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Medien, Seite 43
von Uwe Schweikert
Nicholas Kok spielt mit dem Philharmonischen Orchester Hagen einen ganzen Abend lang französische Barocktänze. Denn auf fast jede Szene in Jean-Philippe Rameaus satirischer Oper «Platée» über die Ambitionen der hässlichen Sumpfnymphe Platée, den Göttervater Jupiter heiraten zu wollen, folgt ein ausgedehnter Ballettreigen. Das funktioniert in Hagen stilgerecht, ohne...
Er war der Mann hinter den Fernsehbildern und als solcher nie zu sehen. Und wer liest am Ende einer Opern- oder Konzertübertragung schon den gesamten Abspann, wo dann irgendwann auch der Mann für die Bildregie erwähnt wird? Sehr oft, bei größeren Ereignissen fast immer, war das der Engländer Brian Large. Mehr als 800 Konzertund Opernaufnahmen gestaltete Large als...
Wo es um Verführung geht, um sinnlich-erotisches Begehren, also um die mannigfaltigen Formen von Lust und Sexualität, war die Philosophie nie weit. Schon Platon warnte höchst eindrücklich davor, sich dem ungezügelten Verlangen hinzugeben, er plädierte für einen vernunftgesteuerten, empathischen Liebesbegriff. Auch in der Folge versuchten die Interpreten dieser...
